Kinder von Nepal: Reise 6

Bei dieser Fahrt nach Angpang schlafe ich dauernd ein. Wegen des Jetlag. Der Zeitverschiebung. Irgendwann sehe ich zwei Schmetterlinge quer vor der Kühlerhaube vorbeiflattern. Sofort wird unser Fahrer, ein sensibler Mann, vorsichtig.

In den Pausen höre ich Kul weiter zu. Er berichtet vom Kohlsamen, den er im vorigen Jahr aus Deutschland mitgebracht hatte und der gut anwuchs. Und vom Mais, den alle in Angpang anpflanzten im Frühjahr. Aber erst kam kein Regen, dann vier Tage und Nächte lang zu viel. Der Mais schoss hoch. Sturm kam auf. Er lag flach. Nur seine kleinen Maispflanzen hielten stand, weil er sie zwischen Kartoffeln gesetzt hatte. Das macht er jetzt immer.

Unser Jeep hält in Okhaldhunga, der Bezirkshauptstadt. Es ist eine Boomtown, wild und bunt wachsend. Dort könnte Mekh auch einen Showroom für seine Möbel einrichten, schlage ich vor. Aber Kul winkt ab. Da gibt es schon Konkurrenz. Sie fertigt Polstermöbel mit Sprungfedern, was Mekh noch nicht kann.

Später laufe ich in Pokhara aus Spaß alle Straßen ab und sehe viele Möbelläden. Mit spektakulären Designs in Sachen „Polster“. Mekh müsste mal durchgehen, sage ich zu Kul. Kopieren.

In Okhaldhunga gerate ich am Rand in ein Geschäft für Eisenteile, Kunststoffe und Bewässerungstanks. Ein sympathischer junger Mann sitzt drin, mit fließendem Englisch, obwohl er nur in der Regierungsschule war, nicht in einer teuren englischen Boardingschool. Er ist klug. Er würde gerne auch mal wie ein Tourist ins Everestgebiet wandern, sagt er. Aber er hat das Geschäft geerbt. Sitzt fest. Trotzdem geht er mal los.

Kul erzählt, wieder unterwegs, von den Weberinnen von Angpang, dass praktisch nur noch seine Tochter Manjita übrig ist vom alten Team. Sie möchte jetzt die breiten Stoffe weben, welche die Schneiderei „Kleiderstolz“ in Dinkelsbühl später zu Hemden nähen kann, „Handwoven in Nepal“.   Aber die alten Webstühle sind zu schmal. „Jetzt baut ein Zimmermann einen breiteren Webstuhl.“ Auf ihm können dann auch Tischdecken entstehen.

Kul ist momentan auch dabei, eine holländische Entwicklungsgesellschaft für Angpang zu interessieren, damit sie den Bauern Tipps für besseres Düngen gibt. Aber es ist nicht leicht, da ranzukommen. Viel Verwaltungskram.

Dann rückt Angpang näher. Ein Polizist steht noch im Weg im Dorf davor. Unser Jeepfahrer befürchtet Komplikationen. Furchtsam hält er an. Aber Kul beugt sich von hinten vor: „Servus!“ Er kennt den Mann. Der winkt uns weiter.