Kinder von Nepal: Reise 7

In Angpang steht ein grüner Torbogen oben an der Straße, als Begrüßung für mich. Wir laufen die 100 Meter steil bergab zu Kuls Haus. Dort steht Philipp, 19, aus Hamburg – an der Wand von Kuls Küche gelehnt, unsicher, wer dieser „Mr. Thomas“ ist, auf den sie seit Tagen warten. Philipp ist seit drei Wochen hier, um Englisch zu unterrichten. Nach dem Abitur beschloss er diesen Besuch in Nepal. Und fühlt sich superwohl. Umgekehrt achtet ihn ganz Angpang – weil er so gefühlvoll ist, Helligkeit bringt, Witz hat und gut aussieht. Und überall mit anpackt. Besser als Philipp kann hier kaum einer sein.

Er scherzt mit Kalu, Kuls Ehefrau, und sammelt nepalesische Wörter. Wenn Kul über ihn spricht, breitet sich  ein Lächeln  aus. „Mr. Philipp“, sagt er, „ist mein jüngster Sohn.“

Philipp steht immer früh auf, setzt sich außerhalb auf einen Stein und  genießt den Blick auf die hohen Schneegipfel des Himalaya. Dann joggt er mit Deek, dem Englischlehrer,  weit die neue Straße hinauf. Dann geht er in die Klassen und kommt um 16 Uhr total erschöpft wieder den Berg hoch. „Ich hab nicht gewusst, dass das Unterrichten so viel Energie braucht.“ Aber er ist auch jeden Tag ergriffen von der Zuneigung der Kinder. Sie sind begeistert von ihm.

Philipp war so schnell zuhause in Angpang wie noch nie in einem Ort. „Es ist ein besonderes Dorf.“

Jetzt laden wir ihn ein, mit zu den Schulen zu gehen, wo wir arme und waise Kinder unterstützen.  Philipp ist froh, damit etwas  Seltenes zu erleben: Wie die Spenden aus Deutschland direkt ankommen.

Wir  lernen bei dieser Wanderung und in jeder Klasse: Hinter manchem dieser Kinder steht ein hartes Schicksal, das man so im Vorbeigehen nie vermuten würde. Kul sagt: 30 von 100 Kindern haben schlechte Eltern. Es fehlt eine Schulfürsorge.

Philipp ganz rechts bei unsere Begrüßung im kleinen Dorf Pattle