Kinder von Nepal: Reise 11

Wir fahren nach Maidane, zu jenem Schulzentrum, das die Lehrerin Christine Wilhelmi einst aus dem Nichts schuf, mitten in der Tundra. Ihr Hamburger Verein „Kinder in Okhaldhunga“ investierte so viele Ideen und Energie – ich denke mir beim Empfang in der Schule dort: Christine müsste hier sein und das alles sehen.

Aber noch sind wir nicht da, weil der Jeep, den Kul trotz meines Protests bestellt hat (ich wäre lieber die Hälfte gelaufen statt über den ausgespülten Feldweg zu rumpeln), in der Schlammpiste versinkt. Es ist Monsun, und irgendwann steckt der indische Wagen wirklich fest, trotz Allrad. Die Bodenplatte klebt am Morast.

Vorn probiert der Fahrer alle Gänge, hinten rudert Kul mit der Hand durch den Schlamm, durchs offene Fenster, um irgendwie anzuschieben. Philipp knippst sein Handy aus, mit dem er die brutale Schaukelei gefilmt hat. Uns warf es immer hin und her. Trotzdem ist eine Zahnbürste, die der Fahrer außen auf die Regenrinne des Wagens gelegt hatte, am Ende unerklärlicherweise immer noch da.

Ein Wunder ist, dass Kuls Frau Kalu noch in einer guten Verfassung ist. Denn früher hielt sie das Autofahren überhaupt nicht aus. Aber seit sie regelmäßig nach Kathmandu zum Arzt muss, wegen ihres Diabetes, musste etwas geschehen. Tochter Kalpana hatte die rettende Idee: Sie gab ihr Anti-Schwindel-Tabletten und ließ sie 100 m Autofahren. Dann wieder Tabletten und 200 m. Dann noch einmal und 500 m. Dann eine längere Strecke. Am Ende ganz weit und keine Tablette.

Jetzt fährt Kalu mit nach Maidane, begleitet von einer Nachbarin. Sie will ihre Schwester besuchen, die in einem einsamen Haus am Weg nach Pattle wohnt, zwei Kilometer hinter Maidane (wir kommen später dran  vorbei).

Kalu lacht in dem Jeep über die Schlammlage. Ich sehe schon kommen, dass Kul wie immer aussteigt und schiebt, egal ob er bis zum Knie einsinkt. Solche Einsätze macht er, das ist angeboren. Aber auch, weil sie sich herumsprechen und bei der nächsten Wahl gut wirken. Will er noch einmal antreten? „Ja.“ Kul hat noch nicht genug vom schmutzigen Politgeschäft, das ihn bei der Lokalwahl im Juni 2017 rauswarf – obwohl er vorher gebauchpinselt worden war wie nix (dass er der große Hoffnungsträger ist und problemlos durchzieht).

Später, beim Heimweg nach Angpang, halten wir kurz bei einer Familie, deren Tochter mit zu den von KvN unterstützten Kindern gehört. Ihr Vater begrüßt uns. Kul: „Das ist der Mann, der bei der Wahl ganz knapp vor mir gewonnen hat. Aber ich hab nichts gegen ihn. Wir sind keine Feinde.“

Plötzlich packt es der Jeep wieder. Ein Wunder. Total verschmutzt rollt das Gefährt in Maidane ein.

So ähnlich war die Piste nach Maidane. Hier ist es der Fahrweg zwischen Jhapre und Bagam, ein paar Tage später