Kinder von Nepal: Reise 12

In der Schule von Maidane – mit zwölf Klassen, einem Kindergarten dabei, 260 Schülern und 16 Lehrern – werden wir mit viel Freude und Blumenketten begrüßt. Die Schals bilden Berge. Wir sehen am Rand des äußerst einfachen Pausenhofs einen Neubau entstehen. Für größere Klassenräume, für das Modell „zehn Klassen + zwei Praxisjahre“ ( = Praxis für soziale Berufe, von der Hebamme bis zur Krankenschwester). Die alten Klassenzimmer sind in schlechtem Zustand. Niemand ist da, der einmal die Türen oder Fenster streichen würde oder innen etwas verschönt.

Wir übergeben vier armen Kindern unsere Jahresunterstützung. Wir hören von den Schicksalen dieser Kinder: Die Eltern mussten wegen einer Inzest-Heirat aus dem Dorf und der Vater starb beim Erdbeben im Langtang-Gebiet; der Vater gehört als Schmied der untersten Kaste an und muss zwei Ehefrauen und 13 Kinder ernähren; bei einem Unfall eine Hand verloren; wegen Herzproblemen muss regelmäßig eine Fahrt nach Kathmandu bezahlt werden.

Zusätzlich bekommt Chini Magar noch Geld, weil sie als einzige den Bachelor macht und das konsequent durchhält.  Sie wollte in Kathmandu studieren, aber Kul überredete sie, doch ins nahe Salleri zu gehen.

Der sehr kompetente Rektor,Bhuwa Bahadur Magar bittet uns ins Lehrerzimmer im ersten Stock. Der Zuweg oben  hat seit Jahren kein Geländer. Aber es geht auch so. Vermutlich ist noch nie jemand runtergefallen.

KvN bezahlt bisher zwei Englischlehrer und einen „10+2“-Lehrer. Künftig werden es hier zwei mehr, bisher von KiO aus Hamburg getragen. Und die Schule  möchte noch einen oder zwei 10+2-Lehrer einstellen.

Kul will als Ausgleich in der Grundschule zwei Stellen streichen. Aber der Rektor erklärt, dass dort jeder gebraucht wird, vor allem für Englisch. Denn wenn dieses Fach nicht angeboten wird, schicken die Eltern ihre Kinder ins Tal in eine andere Schule. „Die Regierung kümmert sich nicht um uns Dorfschulen.“ Sie gibt nur schubweise Geld, und das reicht gerade, um Baumaterial für vier neue Klassenzimmer zu kaufen. Erhofft und versprochen war zum Beispiel heuer eine große Summe allein für Maidane. Aber die Regierung gab nur ein Viertel davon und dieses Geld musste dann für alle Schulen im Verwaltungsgebiet reichen.

Die Fachlehrer der Oberstufe unterrichten schon in der Unterstufe, sagt Buhwar, zum Aushelfen. „Es ist schwer, unten Lehrer wegzukürzen, weil die ja variabel alle Fächer unterrichten können.“

So bleibt alles beim Alten. Mit der 20%-Lohnerhöhung kommt auf unseren Verein aber noch mehr Last zu. Ich sage, dass ich hoffe, dass wir immer genug Geld dafür haben.

Die Lehrer sind glücklich, dass wir keine Stelle streichen, und kommentieren das mit einem geflügelten Wort: „Roxy works well.“ D. h. alles ist in Butter. Oder genauer übersetzt: Raksi, der Reisschnaps,  tut seine ausgleichende Wirkung.

PS: Inzwischen hatte Kul noch einmal ein Gespräch mit der Schulleitung, jetzt im Dezember. Er erreichte doch, dass ein Grundschullehrer entlassen wird.