Corona-Hilfe in Nepal II

Unsere Corona-Hilfe in Nepal II


Saurav sortiert die Lebensmittel für das Weitergeben. Sunita wuchs in Pokhara in schweren Verhältnissen auf, sah aber immer Kinder in den Straßen, die noch ärmer waren als sie. Ihnen zu helfen, wenn sie einmal groß ist, das war  ihr Wunsch. Jetzt erfüllt sich etwas davon.

Sunita schreibt dazu Ende Mai: „Vor mehr als zwei Monaten begann in Nepal die Ausgangssperre wegen der Corona-Pandemie. Die Tempeltüren sind immer noch zu, in den Flughäfen herrscht geisterhafte Stille, die Straßen sind leer und die Geschäfte geschlossen. Die Leute stecken immer noch in ihren Häusern fest. Das ist die neue Normalität. Während sich die Weißer-Kragen-Menschen irgendwie erhalten können, sind die Blauer-Kragen-Menschen von dieser Pandemie am Härtesten betroffen. Die Blauer-Kragen-Menschen sind die Tagelöhner, die ihr Geld verdienen und am gleichen Tag wieder ausgeben.

In Nepal gibt es in den meisten großen Städten  zahllose Tagelöhner. Sie kommen aus den Dörfern und mieten sich ein oder zwei Zimmer. Um ihre Familien zu ernähren, verkaufen sie am Straßenrand Obst, Gemüse und Haushaltsartikel, oder sie verkaufen beim nächsten Markt etwas  Tee und  Essen auf Wägelchen. Manche von ihnen sind Bus- oder Minibusfahrer oder sie lenken E-Rickshas. Einige arbeiten  im Hoch- und Tiefbau, einige sind Verkäufer in einem Straßenimbiss. Die Ausgangssperre trifft sie am Stärksten.

Tirthaman (alle Namen geändert), hier in Bhairahawa zuhause, verkaufte Fisch, um zu überleben. Aber weil sein Laden geschlossen ist, hat er Probleme,  seine Familie durchzubringen. Er hat zwei Söhne, beide ohne Arbeit. Entsprechend schwierig waren für sie die beiden letzten Monate.

Kusun ist eine andere Bürgerin mit einem Kleinkind. Sie verkaufte Tee für ihren Lebensunterhalt. Ihr Mann arbeitet in den Golfstaaten. Aber von ihm bekommt sie sehr wenig Unterstützung. Ihr Teeladen ist jetzt zu und sie hat Probleme, zwei Mahlzeiten am Tag zu schaffen.

Zwei Studenten von Baglung kamen nach Bhairahawa, weil  die Ausbildung hier besser ist. Aber wegen des kompletten Verkehrsstops  können sie nicht die 250 Kilometer nachhause fahren. Und ihre Eltern haben keine Möglichkeit, ihnen Geld zu schicken, weil die Banken geschlossen sind. Das Leben ist schwer für sie.

Rita Kahar und ihr Mann haben zwei kleine Kinder. Beide sind Bauarbeiter. Aber wegen der Ausgangssperre haben sie keine Anstellung mehr. Das heißt, sie haben kein Geld mehr, ihre Kinder zu ernähren. Sie haben nur eine Mahlzeit am Tag, weil sie mit den Lebensmitteln auskommen müssen, welche die Regierung zuteilt.

Chandramaya lenkte immer einen elektrischen Minibus, um Geld zu verdienen. Ihr Mann ist seit fünf Jahren krank. Weil sie seit der Sperre nicht mehr fahren kann, hat sie kein Essen mehr für sich und ihn.

 

Es gibt Bauern rund um die Stadt, die heuer eine sehr gute Ernte haben. Aber sie haben keine Märkte mehr, um ihre Produkte zu verkaufen. Als Resultat verrotten ihre Gemüse auf den Feldern. Es gibt also am Ende auch hier kein Geld für ihre Familien.

Wir haben viele solcher Schicksale. Aber es gab Hoffnungsschimmer. Denn die Regierung half in gewisser Weise. Doch es reichte nicht. Die Regierung versucht, dem Volk Essen zu geben, aber weil es so viele Menschen sind, hat nicht jeder Zugang.

Ich bin erst seit Kurzem hier, aber als ich an Häusern vorbeiging, hörte ich Kinder weinen. Mein Schwiegervater erzählte mir die Hintergründe, wie sehr einige Leute hier von der Corona-Situation betroffen sind. Ich fing an zu helfen. Aber es waren zu viele. Darum ist es ein Glück, dass es „Kinder von Nepal“ gibt. Von diesem Verein kam Unterstützung

Mit Hilfe der Einheimischen bekam ich Hinweise auf notleidende Familien mit Kindern. Wir begannen, 20 Lebensmittelpakete zu füllen. Sie enthielten fünf Kilogramm Reis, zwei Kilo Mehl, zwei Kilo Linsen, ein Paket Salz, einen Liter Öl und Sojabohnen. Das half, um zumindest fünf Tage lang besser durchzukommen. Aber die Zahl der Bedürftigen stieg. Deshalb wiederholten wir die Aktion für 40 Menschen und später noch einmal für 40. Meine Schwester machte das gleiche in Pokhara für 20 Betroffene.

Als wir die Rationen ausgaben, war ich tief bewegt, die glücklichen Gesichter zu sehen. Ich hätte nie gedacht, dass ein Lebensmittelpaket im Wert von 15 Euro so viel Glück für eine Familie bedeuten kann. Einige sagten, jetzt können sie wenigstens essen, ohne daran denken zu müssen, woher sie am nächsten Tag eine Mahlzeit bekommen. Sie waren alle so dankbar. Und als ich ihnen sagte, dass diese Aktion möglich ist, weil Leute in Deutschland dafür gespendet haben, waren sie begeistert: Es gibt jemanden, der ihnen hier in ihrer Not hilft, obwohl er in einem anderen Teil der Welt lebt, 7500 Kilometer weit weg. Sie segneten alle Menschen, die ihnen halfen.

Ich persönlich danke allen Spendern in Deutschland, die mich zu dieser Brücke gemacht haben, die mir die leuchtenden Gesichter dieser Bedürftigen zeigte.

Die Pandemie hat mich gelehrt, dankbar zu sein. Dankbar für ein Leben in Luxus; dankbar dafür, jeden Tag mit einem vollen Bauch schlafen gehen zu können.

Niemand hat bei dieser Pandemie diesen Grad von Härte erwartet. Und nach der Pandemie warten wieder Herausforderungen. Aber man darf nie die Hoffnung aufgeben. Es ist immer ein Strahl von Licht am Ende eines Tunnels.“

 

Wer für diese Aktion spenden möchte: Kinder von Nepal, DE20 7735 0110 0038 0660 07, Sparkasse Bayreuth.