Porträt von Kamala und Man

Porträt von Kamala Maya Thapa Magar (78) und Man Bahadur Magar (80)

Man ist ein kluger Mann mit Leichtigkeit in sich und weitem Blick. Er ist in Angpang geboren und war 19 Jahre alt, als seine Hochzeit arrangiert wurde. Mit 21 Jahren bekamen er und Kamala ihr erstes Kind, einen Sohn. Insgesamt haben sie elf Kinder: neun Söhne und zwei Töchter. Durga, der die Genossenschaftsbank leitet, ist der jüngste Sohn.

Man ist stolz darauf, dass sie alle ihre Kinder ernähren konnten. Dies gelang, weil er Glück hatte: Als er sich nach Darjeeling in Indien begab, um einen Job beim Straßenbau zu bekommen, suchte die Armee gerade Soldaten. „Wir waren jung, deshalb haben sie uns genommen.“ So landete Man in der indischen Ghurka-Armee, die ihm heute eine monatliche Rente von 50 000 Rupi bezahlt (450 Euro).

1961 gab es ein Jahr Militärtraining, dann folgte ein Einsatz im Kongo. Denn Nehru             gehorchte dem UN-Aufruf, dort zu helfen: Die einheimischen Hopsi-Neger wehrten sich gegen die belgischen Herren. In diesem Bürgerkrieg sollten die Inder den König bewachen, der in einem Zimmer gefangen war. Der Befehl lautete: Sollte er fliehen, wird er erschossen.

Man staunte, wie fit die Truppen waren: Eine gesprengte Brücke war innerhalb von fünf Minuten von den UN-Leuten ersetzt.

Am Ende sollten alle Häuser durchsucht werden. Dabei kletterte ein Freund auf ein Dach, das sich dünn wie Papier erwies. Er stürzte ab und brach sich ein Bein. Ein Helicopter-Pilot flog ihn nach Italien zur Behandlung. Man durfte mitgehen.

So verließ er das schöne Kongo, die Königsstadt Katanga und eine imposante Fabrik für Stromkabel. Und erlebte Rom – aber nur zwei Wochen statt des angekündigten Jahres. Der Freund war dort bewusstlos angekommen, öffnete aber irgendwann seine Augen und sagte: „Wo sind wir?“

Probleme in Indien zwangen Nehru, Ende 1962 seine Soldaten zurückzuholen. Denn Pakistan und Bangladesh strebten in die Unabhängigkeit.

1965 bekam Man eine UN-Medaille und eine indische Auszeichnung. 1966 zog er sich als Reservist zurück. Denn der Bürgerkrieg in Pakistan war brutal. „Es war eine schwere Zeit, weil ich nicht wusste, ob ich nicht bald sterbe. Wir mussten mit einem schweren Maschinengewehr in der Hand vorausgehen. Die Gegner schossen durch Lehmhäuser durch. Ich habe viele Tote gesehen.“

Schmunzelnd erinnert sich Man, dass er am Funkgerät zu wenig Englisch konnte und immer sagte, wenn er nichts verstand: „Here is no network!“ (keine Verbindung).

Aber 1971 wurde er wieder geholt, für sechs Monate im Kommunikationsdienst. Danach zog er sich endgültig zurück.

Man eröffnete jetzt in Angpang einen kleinen Lebensmittelladen und trug in Okhaldhunga gekaufte Waren zu den Märkten, vor allem Tabak. 1977 leitete er dann das Postamt in Kerung, wo er bis vor zwei Jahren arbeitete. Dort gab es zum Abschluss zwar keine Rente, aber einen Bonus von 100 000 Rupi (950 Euro).

Man antwortet auf die Frage nach einem Rat für die heutige Jugend mit einem nepalesischen Sprichwort: „Als ich 40 war, musste ich auf die Kinder aufpassen. Als ich 60 war, bekam ich einen Gehstock in die Hand. Als ich 80 war, war nichts mehr zu tun außer Sitzen und Warten.“ Er würde gern noch besondere Dinge tun, aber ihm fehlt die Kraft dafür.

Sein Schlusswort: „Die Kinder sollen hart arbeiten, freundlich sein und immer eine gute Haltung bewahren.“