Portrait von Jhupi und Padam

Porträt von Jhupi Maya Magar (82) und ihrem Mann Padam Bahadur Magar (85)

Er stammt aus Angpang, sie aus Chartakari. Er hat vier Brüder und fünf Schwestern, sie sechs Schwestern und drei Brüder. Bei der von den Eltern arrangierten Hochzeit war er 17 Jahre alt, sie 15. Sie hatten sich vorher nicht gekannt. Beide sind aber mit ihrer Ehe zufrieden.

Sie haben elf Kinder. Darunter sind – als vorletzter – Bishnu, einer der besten Freunde von Kul, und Ram, der mit Durga die Genossenschaftsbank leitet. Ram ist ein Zwilling, aber sein Bruder ist schon tot. Insgesamt sind drei Kinder gestorben.

Padam baute sein Haus an einem Eck mit Wasserläufen. Deshalb kam es bei einem Erdbeben zu einem Landrutsch. Er versetzte dann das neue Haus um 150 Meter.

Padam war nie in einer Schule gewesen. Aber er kann rechnen. Dazu benützt er Körner, oder er macht Kohlestriche an die Wand.

Er war hauptsächlich Bauer, aber auch Träger für Handelswaren und verkaufte selbst. So holte er mit seinem Huckekorb aus Okhaldhunga das scharfe Chili, Tabak, Salz, Kerosin und Hefe für die Alkoholherstellung.

Als Händler war er sehr berühmt, weil er so sympathisch ist. Deshalb war er auch bis vor einem Jahr im Einsatz, weil ihn jeder haben wollte. Er hatte kleine, aber notwendige Dinge in seinem Korb, die er zuletzt per Bus holte (die Bergstraße ist seit wenigen Jahren fertig) und in der Kreisstadt Salleri anbot, 26 km entfernt. So verdiente er 3000 bis 4000 Rupi pro Woche (35 Euro). Hatte er mal nicht genug Waren dabei, musste er vor den Hausfrauen flüchten, weil sie so enttäuscht schimpften.

Seine Körbe kann er noch selber flechten, was in Angpang eine aussterbende Kunst ist. Auch sein älterer Bruder konnte das. „Es ist schwer, vom Boden hoch zu flechten, weil dann die Bambusstecken so auseinander stehen.“ Padam stellt zwei Arten von Körben her, auch Matten und Holzpflüge.

Lukrativ war auch der Pferdehandel, bei dem ihm drei seiner Brüder halfen. Sie holten die Pferde von den Sherpa oberhalb, bei Patale, wo man sie züchtete, und trieb sie ins Flachland nach Indien. Dies geschah 20 Jahre lang fünf- bis sechsmal im Jahr.

In sechs Tagen war das flache Terai erreicht. Insgesamt war er zwei Wochen unterwegs. Es kam nur zweimal vor, dass dort kein Pferd verkauft werden konnte. Gefährlich war die Reise nicht: Sie erlebten nur einmal an einem Abend einen Überfall.

Als Träger lief Padam auch bis nach Kathmandu – einmal, um Kleiderstoffe hinzubringen. Auch er hatte keine Hose an, sondern nur den langen Wickelschal umgewunden. Schuhe zog er erst vor 15 Jahren an.

Aber bei seiner Hochzeit bekam er Lederschuhe, im Dorf gemacht. Doch sie waren schnell trocken, hart von der Sonne. Er trug sie nur einen Tag lang.

Die jungen Ehefrauen bekommen traditionell Goldschmuck an die Nase gehängt, eine Art Geldreserve. Jhupi wünschte sich das auch. Also nutzte sie die speziellen Tage im Januar und Februar, wo man das Loch dafür in die Nasenscheidewand stechen darf. Das geht mit einer kleinen Nadel. „Jeder kann das.“

Prompt kam auch der Goldschmied vorbei und zeigte seinen Schmuck dafür. Jhupi war begeistert, Padam nicht. Der Schmied ging, kam aber wieder. Inzwischen hatte Jhupi so geweint, dass Padam einlenkte. Er opferte die 350 Rupi.

Drei Jahre nach ihrer Heirat zogen sie bei den Schwiegerleuten aus, obwohl es nicht die üblichen Probleme mit der Schwiegermutter gegeben hatte. In Nepal unterdrücken diese die Braut oft hart.

Von den vielen Kindern erreichten Bishnu, Ram und noch zwei andere die zehnte Klasse. Zwei Kinder blieben unter der achten Klasse. Eines schaffte die achte Klasse, eines nur die fünfte. Nicht alle Töchter hatten Schulunterricht.

Vom Zweiten Weltkrieg bekam Padam wenig mit, aber von der Revolution von 1950. Damals feierte gerade ein Verwandter Hochzeit. Da tauchten die Sozialisten (NCP) auf, die von Osten her die Herrschaft des Rana-Clans aufrollten, und stahlen alles: Juwelen und gute Kleider. „Sie haben es den Armen gegeben.“

Padam ist trotz seines Alters gesund, abgesehen von ein bisschen Knieschmerz und einem Jucken. Deswegen muss er alle vier Monate nach Kathmandu, um Spritzen zu bekommen. Von Kräutern und Schamanen hält er nicht viel. Er setzt auf Medikamente und Krankenhaus.

Jhupi hat bei diesem Gespräch extra für mich ihre traditionelle Kleidung (patuki) angezogen, mit Top (choli) und Unterteil (gunyu). Sie trägt eine gelbe Kette, ein Geschenk eines Freundes, der vor einem Jahr bei den heiligen Höhlen von Haleshi war.

Der Goldschmuck in ihrer Nase erregte einmal am Flughafen von Kathmandu großes Aufsehen, als sie ihre Tochter dorthin begleitete. Viele Fotografen stürzten auf sich auf sie.

Jhupi und Padam schauen gern fern, verstehen aber nicht alles. Auch telefonieren sie selten, weil es ihnen zu kompliziert ist.

Zu ihren Kindern haben sie ein gutes Verhältnis und sind sicher, dass diese getreu der nepalesischen Tradition für ihr Alter sorgen werden: „Die Kinder müssen sich um uns kümmern. Wenn sie zu arm dazu sind, müssen sie uns abwechselnd zu sich nehmen, alles zwei Monate ein anderer.“

Padam hat einen Rat für die heutige Jugend: „Try to do your best.“ Versuche, das Beste zu tun.