Münchner Computer eingetroffen

Uma schickte uns im Dezember 2024 dieses Bild von der Ankunft der vier Computer in der Schule von Maidane, die uns der Münchner Zahnarzt Dr. Martin Bulst aus seiner Praxis geschenkt hatte. Ich hatte sie in Kathmandu an Uma und Utsav übergeben und sie schafften es, sie heil ins Bergland zu bringen, trotz monsungeschädigter Straßen.

In den blauen Schachteln sind die Mäuse, und in den roten die Tastaturen. Uma sagt, es gibt einen kompetenten Computerlehrer, der sie schon aktiviert hat.

Aktuelles aus diesem Jahr 2024

Unser Spendenkonto: „Kinder von Nepal“, DE 20 7735 0110 0038 0660 07

 

10.12.

Unsere Adventsmärkte sind vorbei. Trotz Regen und wenig los hatten Avis und Sunita in Pegnitz am Samstag 595 Euro Einnahmen. Und unser Team in Auerbach (= Bärbel, Toni, Bibek (ein so hilfreicher Student aus Nepal) und ich) in drei Tagen fast 1500. Mit den Hamburger Einnahmen sind es zusammen 2556 Euro.

Und es ist noch viel Kunsthandwerk übrig – ich zeige später Bilder davon, falls jemand ein Weihnachtsgeschenk braucht. Ich verschicke es dann per Post.

Eine schmale Frau kam zu unserem Stand, um die 75. Ich erklärte ihr, wie sensationell gut gemacht und gut aussehend eine Falt-Tasche aus gebrauchten Saris ist, die zum Rucksack wird, wenn man sie aus ihrem Mini-Beutel zieht.

Ich ermutigte sie: „Da kaufen Sie sich jetzt ein Deutschlandticket, und dann packen Sie Ihre Wasserflasche rein und zwei Kekse, und dann fahren sie nach München.“ „München? – da war ich schon 20 Jahre nicht mehr.“ „Sehen Sie. – Und dann kaufen Sie sich das Eger-Ticket, und fahren nach Karlsbad. Super Jugenstil-Häuser. Und die russische Kirche! So was Schönes gibts in ganz Europa nicht.“ „Karlsbad? Da war ich noch nie.“ „Sehen Sie, da fahren Sie jetzt hin. Jede Woche einmal irgendwohin. Zum Beispiel nach Weimar. Im Sommer. Jetzt im Winter ist es zu früh dunkel.“

Sie hat diese wunderschöne Rucksack-Sache, die in München beim Tollwut-Festival 120 Euro kosten würde, für 14 gekauft. „Sie haben mich überzeugt. Ich kauf jetzt auch das Deutschlandticket!“

 

2.12.

Ich bin auch Pate für ein Kind in Kenia, über den Verein „Asante“.  Asante hatte letztens seine Hauptversammlung in Pegnitz. Dabei lernte ich einiges für Nepal.

a: Christine Rottland kam mit 60 Jahren in einen abgelegenen Teil von Kenia und beschloss, mit einem Schulzentrum und Schulessen zu helfen. Ihre Schule Tiwi hängt sehr an ihr. Jetzt ist sie 82 Jahre alt. Eine Übergabe steht an, damit alles gut weitergeht. Ich lernte: Ein Verein hält 25 Jahre. Danach muss er in junge Hände gehen.

b: Ein Michael Liley, lange Unternehmensberater und dann Jahre für die UN in Afrika tätig, wo er 100 Schulen baute, kam über ein spätes Afrika-Studium in Kontakt mit Asante. Er besuchte Tiwi und sah: Hier gibt es kleine Klassen mit 29 Kindern. Anderswo sitzen 160 Kinder in einer Klasse und nur die ersten drei Reihen verstehen etwas. Er beschloss, bei Tiwi mitzumachen. Ich fragte ihn, wie er das schafft, zeitlich, wo er doch alle drei Wochen nach Afrika fliegt für seinen normalen Job? Er sagte: Vor Jahren stellte er sich um. Er macht nur noch, was ihm Spaß macht. Dann entsteht kein Stress.

c: Michael Liley ist verbunden mit dem afrikanischen Unternehmer Fred Swaniker (Sand Technology), der sich ein Ziel gesetzt hat: Er schafft mit einem Programm „Next Generation of Leaders of Africa“ in Afrika eine Million IT-Arbeitsplätze. In den abgelegenen Dörfern. Das könnte auch für Nepal gehen.

 

28.11.

Das Bondenwald-Gymnasium in Hamburg hat jedes Jahr einen Weihnachtsbasar der 6. bis 8. Klassen. Von Erlös ging schon oft ein großer Teil an uns, was eine extrem gute Hilfe ist.

Jetzt hatten wir einen Stand dort. Wir genossen die Kinder: So fröhlich, so viel Gutes in sich. So viele Nationalitäten dabei. Sie kauften auch bei uns. Und wenn ihr Geld nicht reichte, gaben wir großzügig Rabatt.

13.11.

Man denkt es nicht – aber vor 18 Jahren wanderte Bürgermeister Wolfgang Nierhoff zusammen mit mir in Richtung „Basislager Mount Everest“. Wir wollten mal den Himalaya sehen. Unser damaliger Trekkingführer Kul Dhoj bat gleich um Hilfe für sein abgelegenes Dorf Angpang. Wir veröffentlichten daraufhin einen ersten Kalender. Seitdem unterstützt dessen Erlös viel: Erst eine neue Schule in Angpang, danach die Genossenschaftsbank dort, die Müttergruppen, arme Familien, kranke Menschen und Unfallopfer. Später entstand daraus ein kleiner Verein, „Kinder von Nepal“ – gerade rechtzeitig, um für das Erdbeben von 2015 zu sammeln und später Reis zu kaufen für ganz arme Familien, als Corona alles blockierte.

Heute ist Lehrerin Uma Karki das, was Kul Dhoj lange ausübte: Die Verteilerin von Spendengeldern. Uma Karki, 39, hatte selbst eine harte Kindheit. Sie wuchs in einem abgelegenen Dschungel-Weiler mit wenigen Hütten auf. Ihre hohe Begabung brachte zwar Bestnoten, aber es fehlte Geld für eine gute Ausbildung. Nur mit Glück  gelang es ihr, Sozialkunde-Lehrerin zu werden.

Der neue Kalender kostet 12 Euro. Wir schicken ihn auch per Post zu.

 

12.11.

Unser Werner flog nach Nepal und schaffte die in Bruch liegende Straße nach Okhaldhunga. Uma begrüßte ihn mit einer Torte und rotem Punkt und Schal – und Werner schickte das alles in kurzen Berichten auf Whatsapp.

6.11.

Das Jahr 2024 unseres Vereins ist fast abgeschlossen, d h. wir haben die KvN-Unterstützungen an die 136 Schüler und sieben Lehrer verteilt. Das war nur möglich dank vieler Spenden.

Es war auch nur möglich, weil wir mit Uma, Utsav und Raju so gute Mitarbeiter vor Ort haben.

Aber auch das nächste Jahr steht vor der Tür.
Deshalb bitten wir Sie wieder um Spenden für 2025.

Wir verschicken immer Spendenquittungen. Kein Cent fließt in die Verwaltung, weil wir diese Ausgaben selber tragen.

 

 

 

5.11.

Unser neuer Kalender ist da – mit ganz neuen Dingen: Diesmal nicht nur Bergbilder. Und wieder s e h r gute Monatsworte. Und ein höherer Preis: 12 Euro! Ich hab mich lange dagegen gewehrt, aber ich unterlag.

Das Gymnasium Bondenwald in Hamburg lud mich ein, bei seinem Weihnachtsbasar einen Nepal-Stand zu machen, weil vom Erlös viel an „Kinder von Nepal“ geht. Dorthin kann ich auch Kalender mitnehmen. Der Basar ist am Donnerstag, 28. November, von 16 bis 18.30 Uhr.

Und unsere Grafikerin Sona Safaian in Berlin peppte unseren Flyer so für den Nachdruck auf, dass er sensationell gut rauskam. Noch nie war er so schön. Wer sie und ihr Grafikbüro unterstützen möchte: „Medien plus Design“ und: mail∂mplusd.de. Sona gestaltet alle möglichen Aufträge.

 

PS: Uma bekam jetzt von der Botschaft in Kathmandu per Email die Ablehnung ihres Visa-Antrags. Auf deutsch. Die Botschaft schreibt, es fehlt ihr Geld, um den Aufenthalt in Deutschland zu bestreiten (obwohl ich ihr dafür extra Geld überwies und sie das angab), und sie hat keine eigene Reiseversicherung. Außerdem habe sie nicht auf die im Juni genannten Ablehnungsgründe reagiert. – Nach meiner Erinnerung waren diese Ablehnungsgründe sehr undurchschaubar gehalten.

Jetzt versuchen wir es im nächsten Jahr noch einmal.

27.9.

Katharina und ich stellen gerade den neuen Kalender zusammen.  Es ist ein langes Getue. Zwei Sticks  mit Fotos drauf legten z. B. den USB-Eingang am Laptop lahm. Und jedes Bild wird betrachtet: Ist es scharf genug? Und wir berücksichtigen die Wünsche nach mehr Menschen und nicht nur Schneebergen.

Die Monatstexte sollen immer zum Bild passen. Aber ich habe so sensationell gute Zitate, die zu keinem Bild passen. Soll ich sie wegwerfen? Nein. Sie werden eingeschmiedet.

Parallel google ich bei Airlines herum, ob ich die aus München geschenkten Zahnarzt-Computer mitnehmen kann. Einer wiegt 5,3 kg, stellte Avis mit unserer Küchenwaage fest. Zwei gigantische Koffer hab ich schon dafür gekauft, superbillig (eigentlich fürs Zurückbringen von Kunsthandwerk und Decken). Und jeder PC enthält Akkus. Die müssen ausgebaut werden. Sollen von Hand getragen werden. Dürfen nur eine gewisse Ladung haben.

Zu den sieben Computern gibt es nur vier Kabel. Man könnte jetzt 3 x Ersatz im Internet bestellen = 120 Euro.

Sunita mahnt zudem, ein Schreiben von Zahnarzt Dr. Bulst dazu zu legen, dass sie Geschenke sind und alt. Aber eine entsprechende Mail in seine Praxis verklang.

18. September

Für unseren neuen Kalender ist auf der letzten Seite an ein Schulporträt gedacht – das von Maidane:

Die Hamburger Lehrerin Christine Wilhelmi verwirklichte im Jahr 1988 ihren Traum, einmal den Himalaya zu sehen. Mit ihrer Tochter flog sie hin, bekam Hark Bahadur Magar als Trekking-Führer und alle wanderten in Richtung Everest Basecamp.
Hark erzählte ihnen, dass in seiner Wohngegend abseits vom Tourismus eine Schule fehlt. Ein Jahr später sah sich Christine Wilhelmi diesen tundra-artigen Hang oberhalb der paar Häuser des Weilers Maidane auf 2600 m Höhe an. Sie beschloss, Geld für eine Schule dort zu sammeln.
Am Ende war sie 48 Mal hingeflogen und hatte unzählige Kollegen und Freunde mitgebracht. Bei diesen Gruppenreisen waren immer 100 Euro pro Teilnehmer für die geplante Schule zu bezahlen. 1997 stand das erste Schulhaus und der Unterricht begann. Und die jüngeren Geschwister wurden bald in einem bis dahin in der Region unbekannten ‚Kindergarten‘ betreut.
Zwei Jahre später gründete Christine Wilhelmi dann einen Verein mit dem komplizierten Namen: „Kinder in Okhaldhunga“. Okhaldhunga ist die nächstgelegene Distriktstadt.
Sie hielt zuhause rund um Hamburg viele Vorträge und überraschte ihre Gymnasiasten mit größter Fitness: Sie lief in der Schule immer die Treppe zum obersten Stock ohne jede Atemnot hinauf, trainiert durch den Himalaya. Die Schüler jammerten, denn bei jedem anderen Lehrer fielen immer 5 Minuten Unterricht weg, bis er erschöpft wieder schnaufen konnte.

Christine Wilhelmis Verein hatte bald rund 500 Spenderinnen und Spender, fast 100 Mitglieder und einen Verwaltungsaufwand, der das ganze Jahr an den Schreibtisch band. Obwohl von schmaler Statur, hielt die Lehrerin das alles aus. Sie betreute auch Basare mit Nepal-Kunsthandwerk an Hamburger Schulen, so dass die Einnahmen weiterhalfen.

Maidane wuchs: Erst ein Haus, später fünf und mehr. Dazu kamen ein Wohnhaus für externe Lehrer und ein Haus für Besucher. Die Nepali erkannten auch schnell das Potenzial: Sofort war ein kleiner Laden da und heute steht sogar ein Restaurant mit Hotel, umgeben von einem richtigen Dorf. Der Feldweg zum Ort wurde sogar jüngst ausgebaut, was ein Zeichen ist: So hoch schätzt die Regierung jetzt Maidane ein.

Diese Regierung verließ sich nach altem Muster jahrelang darauf, dass der Auslands-Verein in der Schule alles führt und finanziert. Doch Dank des ständigen Einsatzes von Hark gelang es, dass die Gehälter der Lehrer in Maidane nach und nach ans Government gingen.

Christine Wilhelmi erkannte schnell, dass der Schulabschluss nicht alles sein kann. Denn so hoch ausgebildet, sind die Kinder nicht mehr willens, ein Bauer zu werden. Also richtete sie zwei Werkstätten her: Eine für Schreiner und eine für Näherinnen, und auch andere Berufsausbildungen wurden unterstützt.

Ich war einmal dort, als diese Gebäude errichtet wurden. Die Maurer schliefen unter einer großen Plane, egal wie kalt, hatten ihr Feuer davor und saßen den ganzen Tag im Grundriss und hämmerten und hämmerten. Jeder Felsbrocken wurde so rechteckig. Zement braucht es nicht: Ein paar eingelegte Bretter halten die Wände. Es ist eine praktische Methode, denn so kann man die Steine immer wieder verwenden, sollte das Haus einmal bei einem Erdbeben einstürzen.

Als ich das erste Mal nach Maidane kam, über eine Tundra mit sagenhaftem Blick auf die Schneeberge, lief ich erstens an einem uralten Tempelrest vorbei und zweitens an kleinen Jungs, die genauso verfallene Shirts und Hosen anhatten. Unter die Arme hatten sie zerfledderte Schulhefte geklemmt. Da begriff ich, wie gut diese Schule hilft. Denn das breite Tal nach Maidane hin hat zwei Seiten: Die Maidane-Seite ist voller armer Hütten. Und die gegenüberliegende Seite hat bessere Häuser, weil hier die Väter in den Emiraten arbeiten und Geld heimschicken.

Christine Wilhelmi hatte damals keine Telefon-Verbindung, um die Schule aufzubauen, auch kein Handy. Alles lief sehr mühsam. Sie bekam nebenbei den zwölfjährigen Bürgerkrieg mit, als ab 1994 junge maoistische Nepalesen gegen alte und steife Politiker aufstanden. Vor Ort und mit Hilfe der Dorfbewohner gelang ihr eine friedliche Einigung mit diesen Maoisten zum Erhalt der Schule.

Ich sah selbst noch die Folgen dieses Bürgerkriegs. Denn die Maoisten sprengten einen Sendeturm, den die Japaner mühevoll frisch für einen Berg unweit von Maidane bezahlt hatten. Er hatte der Schule beim Mailverkehr geholfen.

Christiane Wilhelmi dachte bald auch an eine medizinische Versorgung. Sie schleuste einen deutschen, gebrauchten Zahnarztstuhl durch alle indischen und nepalischen Zollprobleme und stellte Assistenzärzte ein. Bis heute ist diese Station ein Segen für das Umland. Inzwischen trägt Nepalmed, ein deutscher Ärzteverein, den Unterhalt und seit Juli 2024 übernimmt sogar die Regierung die Kosten für einen Medical Assistent.

Christine Wilhelmi sorgte außerdem 2003 für den Bau einer stabilen Hängebrücke aus Stahl über den Fluss Kanikhola, die den ganzjährigen Besuch des Schul- und Gesundheitszentrums möglich machte, sowie für eine autonome Photovoltaik-Stromversorgung – beides mit Hilfe des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Immer band sie die Dorfbewohner ein. Denn wo die Väter anpackten, damit waren sie innerlich verbunden.

Einige der vielen weiteren Ideen wie Kräuter züchten, Fische halten und Mineralwasser herstellen, konnte Christine Wilhelmi aus Altersgründen nicht mehr in Angriff nehmen. Deshalb beschloss sie: „Ich fahre noch einmal hin und versuch´, die ganze Schule komplett in Nepal-Hand zu geben.“ Sie schaffte dieses Wunder. Die Regierung übernahm. Und sie konnte sich zurückziehen. Maidane war zu dem Zeitpunkt ein positiver Modellfall für ganz Nepal.

In der Zwischenzeit war in Pegnitz/Nordbayern der kleine Verein „Kinder von Nepal“ gegründet worden, und zwar für das Nachbardorf Angpang, welches 2,5 Gehstunden entfernt liegt. Wolfgang Nierhoff und ich waren nach einem Himalaya-Ausflug dessen Gründer. Christine Wilhelmi hatte uns für unser Trekking beraten. Uns ging es genau wie ihr: Wir sahen eine marode Baracken-Dorfschule ohne Geld und beschlossen zu helfen.
Wir arbeiteten in Angpang sehr gut mit Kul Dhoj zusammen, dem Schwager von Hark, und gleichzeitig dem Motor für viele Neuerungen. Christine Wilhelmi engagierte ihn, um nach ihrem Abschied in Maidane nach dem Rechten zu sehen. Es war nicht leicht, weil das Kollegium dort oft uneinig war. Erst in jüngster Zeit, mit einem fast völlig ausgetauschten Lehrer-Stamm, klappt es.

Eine junge Lehrerin war von Anfang an in Maidane: Uma Karki. Sie ist heute für „Kinder von Nepal“ die große Stütze, um deutsche Spenden an fast zwei Dutzend Schulen im Umkreis zu bringen.
Uma Karki lässt mich immer Grüße an Christine Wilhemi ausrichten, die für sie und alle Menschen in Maidane wie eine Göttin ist – „Mother Christina“. Die Dankbarkeit für ihre extreme Hilfe, für den Aufbau einer richtigen Schule, ist riesengroß.

Über Christine Wilhelmi und ihren Verein „Kinder in Okhaldhunga“ konnten in all den Jahren bis zur Vereinsauflösung 2022 über eine Million Euro für Nepal gesammelt werden. Auch wenn ein Lehrer-Jahresgehalt nur bei 4000 Euro liegt, kommt bei so vielen Lehrern und der langen Unterstützung und bei allen Projekten schnell dieser Betrag zusammen.

Ich traf einmal in Angpang eine junge Frau, die mir auf dem Feldweg zum Nachbardorf Kerung entgegenkam. Sie sprach mich auf Englisch an. Sie sagte, sie war im ersten Abschlussjahrgang von Maidane und konnte danach in der entfernten Stadt Jiri, wo die Schweiz eine Landwirtschaftsschule hat, eine Agrar-Ausbildung machen. Heute, sagte sie, ist sie die Leiterin des Elternbeirats der Schule von Kerung.

Uma Karki beschreibt ihre Schule heute: „Wir haben zwölf Lehrer und 128 Schüler. Die Regierung ist noch nicht in der Lage, alle nötigen Lehrer der „Shree Navajyoti Secondary School“ zu stellen. „Kinder von Nepal“ bezahlt deshalb zwei Gehälter und unterstützt sehr arme Kinder. Im Namen aller Lehrer und Schüler bedanken wir uns zutiefst bei KvN.

Unsere Schule bietet eine durchgehende Ausbildung der Klassen 1 bis 12. Es ist eine arme Schule und sie hat Lehrermangel. Wegen der schwachen Finanzlage fehlen uns Computer und Sportgeräte. Es wäre leicht, den Bedarf der Schüler zu stillen, wenn dafür gesorgt wäre. Aber weil die nepalesische Regierung das nötige Material nicht gibt, bitten wir weiter um die Hilfe durch KvN. Im Namen der Lehrer und der Schüler danken wir „Göttin Christina“ und KvN. Wir wünschen ihnen ein langes Leben mit Gott.“ (Thomas Knauber)

19. August

Für Lehrer überwiesen wir heuer 1640 Euro nach Maidane (Sportlehrer), 2100 Euro für eine Lehrerin dort, weiter 4950 Euro für zwei Lehrer in Patle, 9000 Euro für vier Lehrer in Angpang, 1632 Euro für einen Lehrer in Bagam, 1632 Euro für einen Lehrer in Kerung und 2040 Euro für eine Lehrerin in Tekanpur.

5. August

Sushma und Udej aus Nürnberg stellten beim Südstadtfest eine Spendenbox für uns auf, als sie dort ihren Imbissstand hatten. Es kamen über 282 Euro zusammen, was im Vergleich zum Vorjahr sehr viel ist.

– Vom Gymnasium in Pegnitz kam vor den Ferien ein Anruf, dass Schüler Geld für gute Zwecke sammeln. Davon bekommt KvN 186 Euro. Und ein Schüler soll deswegen bei mir anrufen, sagte die Sekretärin, für ein Foto. Ich dachte, der arme Kerl… Er muss jetzt den Mut haben, sich bei einem Wildfremden daheim einzufinden. Aber die Sorge war unbegründet. Denn es kam ein solide gebauter Junge vom Land, mit null Scheu, und zack! – schon war das Foto gemacht.

– Michael in München schrieb eine Mail, dass sein Zahnarzt Dr. Martin Bulst sieben Computer ausrangiert, gerade mal acht Jahre alt, und sie für uns für Nepal stiftet. Uma schrieb begeistert zurück: In Maidane haben sie nur einen Computer, sie sind also alle sehr erwünscht.

So fuhr ich vorgestern zögerlich an den Stadtrand von München heran, warf erstmals im Leben mein Google-Navi an (sonst mach ich alles mit Karte) und vertraute voll der jungen Dame im Handy, ihrer netten Stimme, dass sie mich zu Michael bringt. Es war wie Harakiri: „Es geht 6 km geradeaus, dann 3 km geradeaus, dann 2 km geradeaus…“ Ich dachte, dann bin ich draußen aus München. Ich dachte auch, vielleicht hab ich die Adresse vertippt. Aber Wunder über Wunder: Ich kam an. Nach nur 19 Minuten.

Jetzt ruhen die Computer bei mir im Keller, jeder nicht unschwer. Jeder der sieben müsste nun im Handgepäck nach Kathmandu gebracht werden. Wenn also mal jemand mal nach Nepal fliegt: Sofort bei mir melden!

  1. August

Uma verteilte gerade die Spenden an die letzten verbliebenen Schulen, alles gut dokumentiert und von Utsav (man spricht seinen Namen „Utsab“) fotografiert.

Werner bekam dazwischen einen Brief von der Schulleitung von Maidane:

„Wir danken sehr für eure herzliche Unterstützung, dass ihr uns die Englischlehrerin Sunita Magar ermöglicht habt in der Grundschule und den Sportlehrer Prayas Tapa Magar in der Hauptschule. Das ist ein großer Beitrag für unser Schulleben. Denn wir bekamen bis jetzt keine passenden Lehrer von der Regierung von Nepal. Aber dank eurer ständigen Unterstützung seit 2020 für die Stelle des Englischlehrers in der Grundschule haben sich die Unterrichtsqualität dort und die Noten sehr verbessert.

Ähnlich hat der neue Sportlehrer in diesem Jahr sein Bemühen gezeigt, die Fähigkeiten der Schüler zu erweitern.  Beide Lehrer unterrichten die Kinder sehr gut. Beide sind begeistert und haben Interesse daran, Kinder zu unterrichten.

Wir sind eurem Verein „Kinder von Nepal“ sehr dankbar für diese ständige Unterstützung.“

Werner antwortete:

„Sehr geehrter Herr Direktor, danke für  Ihre Informationen! Unser Wunsch ist es, die Verbindung zwischen Ihren Lehrern und Schülern sowie „Kinder von Nepal“ zu intensivieren. Wir hoffen auf noch mehr Neuigkeiten aus Maidane. Besonders die Schüler könnten kurze Berichte in Englisch schicken. Ein Foto von ihnen wäre sehr schön, auch ein kleines Video. Das würde uns über das Leben in Maidane informieren. Und wenn die Berichte kommen, schreiben wir umgekehrt.“

  1. Juli

Uma und Utsav bekamen kein Visum für ihren Besuch. Uma ist am Boden zerstört. Aber ein Trost war ihr die Nachforschung von Sunita in Kathmandu – sie kennt nämlich eine Mitarbeiterin der Borschaft. Demnach gibt es einen neuen Abteilungsleiter, der generell alle Anträge sehr scharf beurtteilt und viele Nepalesen, die nie Visa-Probleme hatten, anlehnt.  Uma musste vier kleine auflagen erfüllen und fuhr noch einmal zur Botschaft. Dort sagte man ihr, in zwei bis drei Wochen bekommt sie Bescheid – aber erfahrungsgemäß dauert es drei Monate.

Wir müssen dann hier noch einmal die Versicherung usw bezahlen – 150 Euro.

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Unser Werner Narr, früher Lehrer und Seminarleiter von Bayreuth aus, gewann vor einiger Zeit die aktuelle Seminarleiterin Cati Otto für den Förderschwerpunkt „Lernen“ beim Förderzentrum in Hof als Mitglied. Sie übernahm auch ein Patenkind aus Kerung.

Gespräche im Seminar brachten dann so großes Interesse an unserer KvN-Arbeit,  dass von den Referendarinnen auch eine Seminar-Patenschaft in Angpang übernommen wurde.

Die Erzählungen und Bilder, die dann Raju, der Lehrer und Ehemann von Uma, von seiner Schule in Tekanpur schickte, brachten die Referendarinnen dazu, ein großes Paket für die Kinder dort zu packen  – genau für die 5 Förderkinder des KvN. Dieses Paket kam nun endlich an und wurde verteilt.

Da allerdings gerade Ferien waren, wurden die 5 Kinder von Raju in seine Wohnung eingeladen und Uma verteilte liebevoll die Geschenke. Utsav übernahm die Pressearbeit.  Die Seminar-Teilnehmerinnen erhielten die Bilder und Videos rechtzeitig zu ihrem Abschluss.

„Große Freude überall“, so Werner.

  1. Juni

Sunita telefonierte über Video zwei Stunden lang mit Uma und Utsav, um das  Online-Formular für ihr Visum (für den Besuch bei uns) ausfüllen zu helfen. Ich weiß nicht, was ein einfacher Nepalese macht, wenn er allein vor dieser Online-Anforderung steht. Am Mittwoch haben Uma und Utsav ihren Termin in der Botschaft.

Diesen Termin zu bekommen, war wochenlang nicht möglich, weil alle deutschen Botschaften gerade auf online umstellen und in der Zeit alles still lag.

….

Christine Wilhelmi, die Gründerin der Schule in Maidane,  rief gleich nach ihrem Geburtstag von Hamburg aus an: Sie lebt dort im Seniorenheim, spricht langsamer als früher, ist aber sonst so heiter wie immer. Und sie sagt: „89 wird man nicht, ohne etwas abzugeben.“ Sie freute sich, über uns immer einmal von Maidane zu hören. Und Enkelin Carlotta, die einst so mutig für Wochen nach Angpang ging, um zu unterrichten, macht gerade ihr Studium der Archäologie in Wien fertig.

…

Um Uma bei der Botschaft zu unterstützen, schickten wir dorthin einen Text:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir haben seit 2014 einen kleinen Verein, der inzwischen unterhalb vom Mount Everest 120 armen Kindern in 18 Schulen hilft und acht Lehrergehälter übernimmt. Sehr lange war der leitende Mann des kleinen Dorfs Angpang, Kul Dhoj, unser Helfer vor Ort. Aber als er sich aus Altersgründen zurückzog, war es schwer, einen Ersatz zu finden. Lehrerin Uma Karki aus der Schule im nahen Maidane war dann die einzige, die dazu bereit war.

Wir haben das in unserer Homepage www.kindervonnepal.de beschrieben: „Sie sorgt bewundernswert für die Übergabe von Schulkleidung, Schulmaterial, Jacken, Hosen, Schuhen und Rucksäcken für die Kinder – bezahlt von Paten und Patinnen oder von KvN. Ihr Einsatz ist unglaublich. Sie macht mit, weil sie selbst aus größter Armut kommt.“

Dieser Einsatz ist bewundernswert. Sie, ihr Mann Raju und ihr Sohn Utsab tragen die ganzen schweren Materialspenden, verladen sie, bringen sie über rumpelige Feldwege zu den abgelegenen Schulen, laden sie wieder aus, verteilen sie. Utsav ist dabei der Fotograf. Seine Bilder dokumentieren genau die Übergaben, was für unser Finanzamt sehr wichtig ist. Er verwaltet alles, schickt es in die Cloud und sortiert es zu.

Wir sind dafür so dankbar, dass sich KvN-Mitglieder zusammengetan haben und alles in die Wege leiteten, um Uma und Utsab eine Freude zu machen: Für zwei Wochen eine Reise zu uns. Wir hoffen, Sie können das unterstützen.“

  1. Juni

Dr. Jürgen Jäger will uns nach seinem Besuch bei Uma für eine große Spende sorgen. Und gerade kam eine Mail von der Gesamtschule in Kaarst, dass sie die Hälfte der Einnahmen eines Afrika-Tages an uns geben wollen.

  1. Mai

Auf unseren Aufruf, Werner bei der Patenbetreuung zu helfen, meldete sich Sabine Poersche aus Michelfeld, gleich neben Pegnitz.

Sie hatte in der Zeitung von „Kinder von Nepal“ gelesen, als sie sich gerade dachte: „Ich könnte mal wieder etwas Soziales tun.“ – Und schon schrieb sie uns eine Mail.

Vor vielen Jahren unterstützte Sabine den „Gnadenhof für Tiere“ in Horlach (Pegnitz). Aber nach ihrer Familiengründung musste sie ihre Tätigkeiten hier doch sehr einschränken. Zudem ist sie Mitglied bei Greenpeace und hatte bereits Patenkinder, zuerst in Brasilien und dann in Indien.

Zu Nepal ergab sich schon früher ein idealer Bezug, weil Sabine auch Christine Wilhelmi aus Hamburg flüchtig kennt. Christine ist nämlich die Gründerin der Schule von Maidane nicht weit von Angpang. Sie kam damals nach Pegnitz, um Enkelin Carlotta zu betreuen. Die lebendigen Bildberichte ihrer Nepalhilfe brachten am Ende unseren Verein „Kinder von Nepal“  auf die Welt.

Sabine will nun nicht nur die Paten mit Bildern ihrer Patenkinder versorgen, sondern kann uns auch, sagt sie, beim Kalender-Verteilen helfen oder einen Adventsstand mitbetreuen.

Beruflich ist Sabine als Bürokauffrau seit 38 Jahren bei der  US-Armee im Truppenübungsplatz Grafenwöhr im Umweltschutz tätig, zuletzt wieder ganztags.

Wenn Uma und Utsav kommen, machen wir ein kleines Treffen, um Ideen für die Zukunft zu sammeln. Sabine bringt dafür von der Kindernothilfe einen Tipp mit. Denn dort gab man vor Jahren den älteren Schülerinnen eine Kuh oder eine Ziege oder ein Stück Land oder eine Nähmaschine mit ins erwachsene Leben. Was sehr sinnvoll ist.

  1. Mai

Gestern hing ich am Telefon und Computer, beim Auswärtigen Amt in Berlin, um zu fragen, warum es nicht möglich ist (seit Wochen) online einen Termin für Umas Besuch bei der Botschaft in Kathmandu zu bekommen. Sekunden später mailte Sunita: Es hat geklappt, Uma bekam einen Termin Anfang Juni. Jetzt müsste also alles gut gehen. Sunita muss Uma noch beraten, wegen der Flüge, dass sie billige bekommt.

Jürgen brachte Uma 2500 Euro mit, für beide Flüge, auch für Utsav. Jetzt teilen wir uns das unter fünf Freunden: Bärbel, Marina, Jürgen, Werner und ich. Für jeden sind es 500 Euro.

Uma will zwischen Mitte Juli und Anfang August zwei Wochen kommen. Möglich sind 90 Tage, dafür bekam ich vom Landratsamt die Visa-Zeit.

  1. Mai

Ich wollte schon lange Bilder schicken, die Jürgen (Dr. Jäger) zeigen, zu Besuch bei Uma in Okhaldhunga. Und heute, wo ich so Kreuzweh hab (von einem kalten Wind) und es regnet und nix anderes drängt, geht es.

Jürgen hatte von Kathmandu aus eine lange 9-Std-Fahrt (im E-Bus! es gibt schon Ladestationen bis hinauf nach Okhaldhunga) in die Berge, bei schlechtem Wetter. Aber danach war er gut in Uma´s Haus angekommen, und konnte mit ihr zur Schule in Kerung fahren. Die Bilder, die Utsab schickte, zeigen ihn sehr glücklich.

Uma schreibt dazu: „Ich denke immer über „Kinder von Nepal“ nach und wie man mehr Mitglieder gewinnt. Unsere KvN-Arbeit geht gut. Als ich mit Jürgen nach Kerung fuhr, dachte ich an alle Mitglieder und ihre Hilfe.
Im Spenden-Programm (für heuer) sind nur noch 3 oder 4 Schulen zu besuchen und ich schließe das so schnell wie möglich ab.
Was ist mit der armen Schule in Taksar – kann hier die Bayreuther Gemeinschaft der dort lebenden Nepalesen helfen?

Jürgen wohnt bei mir und meiner Familie und wir sind so glücklich. Und unser Ausflug mit Jürgen war so schön und erinnernswert. Ich schicke dir Bilder. Und sehr vielen Dank für eure große Hilfe für meinen geplanten Besuch.“

  1. April

Dr. Jürgen Jäger aus Nürnberg kann die Unterlagen (Landratsamt Bayreuth; Versicherung) für Uma mitnehmen, wenn er nach Nepal fliegt und Uma besucht.

  1. April.

Thomas Knauber überweist privat 1590 Euro für verschiedene Unterstützungen: 130 für sie Schülerin Laxmee (die bei Uma wohnt), 130 für den Schüler Anil Pahari (in Patle), 300 für Anita Shresti (alleinerz., 3 Töchter, in Okh., hat einen kleinen Imbiss), 500 für Supriya (die Schwester von Samrakshak in Kath.), 260 für Maya  (die taube Mutter von Adesh in Pokh., für ihre Jahresmiete), 400 für Poonam (alleinerz. . 4 Kinder, von Sunita empfohlen, wohnt mit vier Kindern in einem kleinen Raum). Weiter 200 für Shanta für ihre Studiengebühr. Und180 Euro für Umas Kommen: 30 Gebühr im LRA und 149 Versicherungen.

  1. April

In verschiedenen Schulen bezahlen wir das Gehalt eines Lehrers oder einer Lehrerin. In der kleinen Schule von Tekanpur bei Okhaldhunga ist es neu Elija Karki. Sie unterrichtet „science“ = Wissenschaft. Rektor Sita Ram Dahal bat KvN im Oktober dringend um diese Zusatzstelle, weil seine Schule die Kinder sonst nicht komplett ausbilden kann.

Elija Karki verlor vor zehn Jahren ihren Vater, schreibt er, und hat einen kleinen Bruder, der bei ihr lebt. Sie studiert nebenbei für den Bachelor. Sie hat kleine Kinder gern „und arbeitet hart und liebt das unterrichten“. Werner bat sie, ab und zu etwas aus der Schule zu berichten, auch über die Schüler.

  1. April

Werner gab jetzt an Uma weiter, dass er sich mehr Echo von den unterstützten Schülern, Lehrern und Rektoren wünscht – im Gegenzug zu den Spenden. Jede Schule könnte z. B. einen Ombudsman angeben, der den Kontakt zu uns hält, und ein bisschen über sein Dorf berichtet, von Festen oder von der Ernte. Auch wenn es nur kurze Berichte sind, gibt es eine Verbundenheit.

Aber Uma betont, dass die Kinder in ihrer armen Gegend kaum Handys haben. Und der Funkverkehr ist oft durch das Wetter gestört und den Stromausfall. Aber sie will versuchen, mit den Lehrern und Rektoren darüber zu sprechen.

Sportlehrer nötig

Uma gab den Wunsch des Rektors von Maidane weiter, der Schule einen Sportlehrer zu bezahlen. Denn bei regionalen Volleyball-Wettkämpfen waren die Schüler immer im Nachteil, weil sie nur zwei Wochen Training bekommen. Der Kassenstand gibt diese 1640 Euro Jahresgehalt her.

Nepalhilfe aus Bayreuth

In Bayreuth gibt es eine Community von Nepalesen, etwa 15 Frauen und Männer. Vor drei Jahren gründeten sie einen Verein, um in Nepal zu helfen. Ich sprach gestern mit ihnen (es sind lauter gute Menschen) als Erfahrungsaustausch. Uma hatte ich im Vorfeld darüber informiert. Sie schlug vor, dass sich dieser Verein „Nepal Chautari“ um die armen Kinder der kleinen Dorfschule Taksar (3 Std  zu Fuß von Okhaldhunga entfernt, auf halbem Weg nach Maidane) kümmert. Denn diese Kinder einer armen Sherpa-Region sind sehr schlecht dran.

Aber Manoge Kumar von „Nepal Chautari“ erklärte, dass die Bergdörfer des Himalaya oft gut versorgt sind, weil die vielen Touristen dort ihre Hilfsvereine einsetzen. Doch Nepal hat viel mehr „dunkle Seiten“, sagte er, auch im Flachland nach Indien. Deshalb sollte man vielleicht hier helfen.

Kalender für 12 Euro

Werner regt an, unseren Kalender künftig für 12 Euro anzubieten. Und das 13. Blatt soll künftig im Wechsel die Schulen vorstellen, wo wir helfen. Auch sollen wir mehr von Nepal (Menschen, Tempel, Dörfer) zeigen, nicht nur immer Bergfotos.

  1. April, Hauptversammlung

Der Zoom funktionierte und elf Mitglieder schalteten sich zu. Auch Uma und Utsav nahmen teil, obwohl es für sie schon 23 Uhr war.

Es war eine sehr schöne Stunde für Uma, weil sie endlich einige unserer Mitglieder sah, und sehr schön für uns, weil wir von ihr und Utsav gleich ein Echo auf unsere Vorschläge bekamen.

Es stand eine Neuwahl an, bei der alle bisherigen Amtsinhaber einstimmig bestätigt wurden: Vorsitzender Thomas Knauber, vertreten von Wolfgang Nierhoff. Kassier auch Thomas Knauber, Schriftführung Katharina Nierhoff und Revisor Ralf Richter.

  • Werner Narr mehr Echo von den unterstützten Schülern. Alle Zuhörer fanden das sehr gut, weil die Schüler so die Kommunikation lernen. Aber Uma und Utsab betonten, dass die Kinder in ihrer armen Gegend kaum Handys haben. Und der Funkverkehr ist oft durch das Wetter gestört und durch Stromausfall.
  • Uma gab vor einer Woche den Wunsch des Rektors von Maidane an mich weiter, der Schule einen Sportlehrer zu bezahlen.

In Bayreuth gibt es eine Community von Nepalesen, etwa 15 Frauen und Männer. Sie gründeten einen Verein, um in Nepal zu helfen, und würden ihre Hilfe gern KvN anschließen. Was können sie tun? Bettina Borst dachte wie ich, dass sie wegen ihrer Auslandserfahrung gute Ratgeber für die College-Abgänger wären. Aber Uma sagte, es ist viel wichtiger, armen jungen Schülern zu helfen, die überhaupt Probleme haben, an Bildung zu kommen. Sie beschrieb ein sehr armes Dorf im Sherpa-Gebiet, Taksar, 3 Stunden von Okhaldhunga entfernt, wo die Schule dringend unterstützt werden sollte.

Michael Studen wünschte sich mehr Porträts im Kalender, wie heuer das Mädchen auf dem März-Blatt. Ich  hörte auch schon von Bayreuther Käufern die Bitte, nicht nur Schneeberge zu zeigen, sondern mehr von Nepal.

Roman Maier sagte, er braucht den Kalender als Verteiler viel früher, nicht erst Ende November. Genauso geht es mir als Verteiler. Aber bisher gab es immer unerwartete Hindernisse.

Uma und Utsav bedankten sich am Ende für die große Unterstützung durch „Kinder von Nepal“; und wir bedankten uns umgekehrt für ihre unendliche Mühe mit dem Verteilen der Spenden.

Uma lernt schon Deutsch und versprach, sie lernt weiter: „Beim nächsten Zoom-Meeting kann ich deutsch mit euch sprechen!“

  1. Februar

Sunita lernte eine arme Mutter in Sauravs Stadt bei Lumbini, in einem Dorf 20 Min entfernt, kennen, die mit 4 Kindern in einem Raum mit 3 x 4 m lebt.  Die Mutter putzt und verkauft Gemüse, um zu überleben. Der Vater ist in Malaysia und gibt im Jahr nur 100 Euro. Wir unterstützen sie künftig.

Dafür fällt der geförderte Junge Adesh (17) in Pokhara weg, weil noch nicht klar ist, wie er weiter geht. Sunitas Schwester beobachtet ihn.

  1. Februar

Werner hatte um die Jahreswende durchgerechnet, wie viel Geld wir heuer für die Kinder-Unterstützung brauchen – 16 000 Euro. Uma hatte ihm weitere arme Schüler genannt, so das es jetzt über 100 Kinder sind.

Und ich sagte Uma, wie viel Geld wir damit noch für Lehrergehälter haben, wenn wir eine Rücklage bei uns lassen: Es sind etwa 22 000.  Diese 22 000 Euro teilte Uma dann auf in die Schulen (Angpang 4 Lehrer, Patle 2, Maidane, Bagam, Kerung und Tekanpur je 1 Lehrer).

Ich hatte dazwischen Mitglieder gefragt, ob sie Werner unterstützen können bei der Schulbetreuung. Es waren genügend bereit. Aber Werner hat einen Sohn Tino, der sehr computerfit ist, und er klügelte einen Weg aus, dass diese Spenden-Übergabe-Bilder von Utsav direkt in eine Auflistung fließen.

Jetzt hat aber Utsav nur einen lahmenden Computer, sonst macht er alles mit seinem Handy. Werner beschloss deshalb, ihm einen Computer zu schenken, den Tino hier vorbereitet (= die Auflistung eingeben) – und Werner bringt ihn im Herbst hin, wenn er Uma und Utsav besucht. Dann bekommt Utsav eine Blitzschulung.

Ich möchte auch im Oktober wieder nach Nepal fliegen. Wer da mitkommen will – gleich mal einplanen. Bärbel und Toni aus Auerbach machten es z. B. parallel zu mir im Oktober 23, weil sie ein Patenkind sehen wollten, das ihr Eine-Welt-Verein unterstützt, und auch das Patenkind, das sie selber unterstützen. Sie sind Rentner und ich dachte, sie halten Kathmandu nicht aus, all das Gewirre und den Staub. Aber wir trafen uns und sie winkten fröhlich ab: null Problem.

Uma ist nur zu bewundern. Mit Utsav und ihrem Mann Raju bemüht sie sich, alles Verteilen zügig hinzubekommen. Und unsere Tipps aus der Ferne zu berücksichtigen.

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Unser Kalenderverkauf lief sehr gut. 20 blieben übrig. Ich danke allen Helfer-innen überall für ihren Einsatz. Und wenn jemand ein kleines Geschäft weiß, das ihn im Herbst auslegt – gleich ansprechen. Ich sah das z. B. bei Jürgen in Ottensoos. Seine Friseurin hatte einen Stuhl an die Tür gestellt, Kalender drauf, Schild dazu – und 10 Kalender waren weg.

Ich hatte hier in Pegnitz einen kleinen KvN-Bericht in der Zeitung und der Wirt eines kleinen Gasthauses sprach mich an: Er wird 85 und will keine Geschenke, alle seine Gäste sollen für KvN spenden. Bei ihm, in der „Frischen Quelle“ in Steinamwasser, stelle ich dann künftig auch Kalender hin. Da kommen immer Tausend Leute vorbei wegen des Musikanten-Abends jeden Mittwoch.

 

Reisebericht 2024

Nach und nach schreibe ich wieder über meine Reise nach Nepal, immer kurz, damit es nicht langweilig wird. Es waren nur drei Wochen und ich konnte wegen der Monsun-Straßenschäden nicht zu unseren Schulen fahren. Aber Uma kam am Schluss mit Utsav nach Kathmandu. Und ich hatte so endlich die Zeit, auch jene Kinder zu treffen, die wir in Pokhara und an der Grenze nach Indien unterstützen.

Trotz der Kürze war alles sehr interessant. Am Ende saß ich in Kathmandu in einem kleinen Imbiss, neben mir ein offenes Fenster. Da dachte ich: So war diese Reise – als ob ich in das offene Fenster eines Hauses geblickt hätte. Ich sah viel von Nepal.

1. Der Flug

Es beginnt mit einer großen Erleichterung am Flughafen in Frankfurt. Denn dort haben die Herren beim Einchequen problemlos meine zwei Koffer mit den vier Computern von Dr. Bulst  angenommen. Ich bin so erleichtert. Kein Aufhebens wegen der Lithium-Knopfzelle drin, weil ja alle Lithium-Akkus verboten sind.

Ich hatte die Computer dicht in Zeitungspapier gepackt. Avis und Sunita stopften noch alte Klamotten dazu, zum Abfedern. Aber bei der Ankunft war alles zerschmissen: Die Koffer waren so herumgeworfen, dass die Computer wie lose fliegend drin herumlagen.

Uma freute sich dann später sehr über die Bildschirme. Sie hatten wegen ihres Gewichts bei einem der Koffer die Balance verbogen. Er rollte nicht mehr richtig und machte Zuckungen. Aber ich bog das mit Gewalt zurück.

Uma rief sofort den Rektor im fernen Maidane an, ob er Tastaturen hat. Hatte er nicht. Also zum Computershop. Dort gab es sie, inklusive Maus, für sage und schreibe 4 Euro. Ich weiß nicht, wie das geht. Wie man für 3 Euro eine große Tastatur herstellen kann und für einen Euro eine Maus. Aber wahrscheinlich ist es „Made in China“. Wozu die Nepali ein Sprichwort haben: „Kaufst du ein chinesisches Gerät, hast du es am einen Tag und am andern nicht.“ Weil kaputt.

Jetzt habe ich im Flugzeug einen interessanten Sitznachbarn, Miguel de Matos. Er kommt ganz lachend an, vielleicht 60, mit ein bisschen Bauch und grauen Haaren. Er vertreibt die indische Frau von seiner Sitznummer und sagt: „Ich bin aus Portugal. Ich fliege nach Indien. Das ist das erste Mal, dass ich nach Indien fliege.“

Das Gespräch mit ihm hätte man aufnehmen sollen. Er ist Wirtschaftsberater in Porto, nördlich von Lissabon. Und geschieden. Reiche Frau, ein Kind. Jetzt nahm er einmal einen jungen Inder als Untermieter. Mit ihm verstand er sich sehr gut. Deshalb kommt plötzlich ein Anruf aus Indien: Hochzeit, ob er nicht teilnimmt? „Am Mittwoch war der Anruf, am Donnerstag hab ich nachgedacht, am Freitag Ja gesagt und am Samstag den Flug gebucht.“ Jetzt ist Sonntag.

Seine fünf Mitarbeiter schaffen es auch ohne ihn, Firmen zu vernetzen. Denn das ist Miguels Geschäftsidee: Er nennt seinen Kunden andere Firmen, die ihnen bei der Produktion helfen.

Daneben ist er Schachspieler, seit er fünf Jahre alt ist. Schach trainiert das Gehirn, sagt er. Und ein kluges Gehirn lässt sich nicht von Politikern einlullen. Darum hat Miguel einen Verein gegründet, der eine Stiftung werden soll. Dieser Verein verteilt Schachbrett-Tische an Schulen. „Du hilfst in den Bergen des Himalaya? An wie vielen Schulen? Ich schicke je zwei Schachtische hin. Die stellt ihr irgendwo ins Eck, ohne Aufsicht, und lasst die Kinder spielen. Sie müssen klug werden. Nicht alles glauben, selbst denken. Das ist mein kleiner Beitrag für die Welt. Wenn ich mal sterbe, dann hab ich was für die Welt getan.“

Warum ist er so motiviert? Weil er ein Buch geschrieben hat: „Sei frei. Werde ein freier Unternehmer.“ Um es in Brasilien zu veröffentlichen, flog er hin. Er traf dort zufällig auf spiritistische alte Frauen, die ihm zwei Vorleben nannten: Einmal war er ein Kardinal, der jeden um die Ecke brachte, der anderer Meinung war. Dann war er ein Desperado mit Schiff, der auf eigene Faust Welthandel betrieb.

Diese Leben lösen jetzt, als Ausgleich, wahrscheinlich sein positives Handeln aus. „Wir sollten nicht so mit Effizienz arbeiten. Schau dir Europa an. Nach dem Krieg ging alles hoch und dann durch wilden Kapitalismus wieder runter.“

Am Schluss lacht er: „Ich schreib´ auch Gedichte und bin Philosoph. Mein zweites Buch geht übers Universum, über Gott.  Wir müssen erkennen: Wir sind alle zusammen der Schöpfer. Jeder hat da eine Aufgabe, eine Mission: Dieses Leben durchführen. Und wir müssen bescheiden sein. Ich hab auch Autos gehabt – hab ich alles weg. Weil nur wichtig ist: Ich bin. Den Rest kann man weglassen.“

Er erzählt noch von den Brasilianierinnen, mit welch schönem Klang sie das Portugiesische sprechen – und sagt dann auf Wiedersehen. Er wird abgeholt in Neu-Delhi zur Hochzeitsfeier 500 Kilometer im Norden. Dann geht es noch nach Dharamsala im Vorhimalaya, nach Kaschmir  und zur Hippie-Halbinsel Goa im Süden.

Sein Buch gibt es bald auf Englisch. Vielleicht auch gut für die Kinder unserer Schulen.

2. Kathmandu

Es ist eine erlebnisreiche Reise, bis dahin, dass ich fast von einem kleinen Elefanten gegessen werde. Und sie beginnt in Kathmandu mit dem Taxi-Fahrer am Flughafen, der von 500 Toten spricht, die der übermäßige Monsunregen gekostet hat. Uma sagt später, es sind 200.

Uma und Utsav haben mir abgeraten, nach Okhaldhunga zu kommen, weil die Straße an zehn Stellen zerstört ist. Sie wagen aber später selbst diese Reise und Utsav sagt: „Es war schlimmer als letztes Jahr unsere Fahrt von Patle herunter.“ Damals setzte der Jeep oft am Boden auf, weil die Furchen so wild ausgewaschen waren.

Jetzt muss ihr Jeep im Fluss fahren, weil die Uferstraße in Blocks zerbrochen da liegt. Utsav zeigt Bilder von Häusern, die wie hingeworfene Schuhschachteln in den Fluten liegen. Den ganzen nächsten Tag über malt er sich ängstlich die Rückfahrt aus, ob sie gut geht. Sie geht gut: Um vier Uhr los und um 16 Uhr Ankunft. Sie haben extra einen Sitz dazu gebucht für die Computer. Alle vier PC´s kommen heil an.

Uma und Utsav ziehen sich am Morgen unseres gemeinsamen Tages  erst einmal bestens an, ich auch, um zur deutschen Botschaft zu gehen und nach ihrem Visumsantrag vom Juli zu fragen. Die Frau am Empfang wünscht lange dies und das, um schließlich in einem dicken Buch den Eintrag zu finden, wann Uma das letzte Mal da war. Dann kommt ein Zettel durch die Scheibe: Uma soll ihre Anfrage per Mail schicken. Dann kriegt sie eine Mailantwort.

Danach setzen wir uns im „Souvenir Guesthouse“,  meinem schönen kleinen Hotel,  unter dem Baum zusammen, um über „Kinder von Nepal“ und unsere Hilfe im nächsten Jahr zu sprechen. Uma hatte Werner im Laufe dieses Jahres schon viele arme Kinder nachgemeldet, so dass es jetzt 160 sind. Werner hatte aber durchgerechnet: Wenn es bei 130 Euro pro Kind bleibt, sind das über 19 000 Euro. Und die Lehrergehälter (20 000) dazu – kaum zu schaffen. Danach sind wir blank.

Aber für Uma ist es schwer, das zu verstehen. Sie hat noch mehr Kinder auf ihrer Liste: Die große LGS-Schule in Okhaldhunga bat sie dringend, sich für weitere sieben sehr arme Schüler einzusetzen. Und diese Schule bräuchte im Grundschulbereich einen Lehrer dazu.

Die Schule in Jhamire meldete zwei Kinder zusätzlich (eines der Kinder hat Herzprobleme und sein Vater trinkt); die Schule in Thade ein Kind.  In Bagam sind es fünf Zugänge. Die JMS-Schule hofft auf Unterstützung für einen hinkenden Jungen, dessen Vater blind ist und die Mutter waise.

In Maidane sollten wir dem von uns bezahlten neuen Sportlehrer etwas mehr Gehalt geben, weil er auch „Gesundheit“ unterrichtet. Auch die andere KvN-Lehrerin bräuchte mehr Lohn. In Bagam wäre es ein Lehrer, der etwas mehr bräuchte.

In Maidane sind die Grundschullehrer frustriert, weil sie in den obersten Klassen eingesetzt werden – aber von der Regierung nicht das entsprechende Gehalt bekommen. Das Government lässt diese „higher secondary“-Stufe unbeachtet.

Ich sage, wir sparen jetzt so: Alle Kinder, die im ersten KvN-Jahr neue Schulkleidung bekamen, brauchen das im nächsten und dritten Jahr nicht wieder. Sie kommen mit weniger Unterrstützung zurecht.

Kinder, die aus Sherpa-Familien kommen (wo die Väter oft trinken), bekommen Reissäcke. Damit ist ihr Essen gesichert.

Und Uma sieht sich jedes Schicksal genau an, um zu entscheiden, wo wie viel nötig ist.

Werner fliegt morgen nach Nepal und bespricht – nach seiner Wanderung im Umland von Okhaldhunga –  mit Uma und Utsav noch einmal alles.

Utsav ist bei meinem Gespräch so ein guter Junge, so ein guter Charakter. Es hat mich richtig gerissen: Ich muss genauso sein, kommt mir blitzartig.

2. Entenrettung

Am Flughafen riecht man beim Rausgehen sofort Kathmandu: Eine Mischung aus Benzin und Tempelduft. Wie eine Wiege. Reinlegen und langsam werden. Ich glaub´, man macht hier alles langsam.

Es ist so eine Freude in meinem kleinen Hotel. Alles gemütlich. Vor dem Tor zischt der Verkehr vorbei, die schöne Nepalmusik läuft irgendwo. Und ich bekomme Zimttee und Momos.
Ganz neu gibt es einen Hund. Er ist ca 2 cm groß, 30 Tage alt und heißt Max. Er wurde von belgischen Gästen gestiftet, damit der geistig behinderte Sohn der Hotelfamilie eine Freude hat.

Ich gehe zum SIM-Karte wechseln – 600 Rupi für vier Wochen = 4,20 Euro. Man bekommt mehr für den Euro als früher.
Dann bin ich bei einer bescheidenen Schneiderin im Hintergassenviertel, um mein T-Shirt schmaler nähen zu lassen. Dann bei einer anderen Schneiderin am Weg zum Fluss, um Zwirn zu kaufen. Es ist ein großer Akt, weil sie nur Nepali kann. Aber ich hab vorher ein Buch gekauft: „Basic Nepali für Anfänger“.

Ich bin extra langsam unterwegs. Und hab vor, in diesen drei Wochen zehn Enten oder Gänse frei zu kaufen. Mutig fange ich sofort an. Es ist eine denkwürdige Aktion. Die Hühner, Enten und Gänse stecken in ganz kleinen alten Käfigen – fix und fertig von diesem Leben vor dem drohenden Tod. Der Händler sitzt vorn am Gehsteig wie ein Sultan: Schwer, mit Schnurrbart und unbeweglich.

Ein schmaler Motorradfahrer, sehr freundlich, hilft mir. Ich kann aber für meine zwei Enten und zwei Gänse nur wenig runterhandeln. Ein junger Metzger im Hintergrund schneidet mit blutigem Messer die Schnüre fürs Zusammenbinden der Füße. Dann kommen alle vier in Plastiktaschen. Der Sultan sticht liebevoll Löcher rein, damit ihre Köpfe rausschauen. Ich wundere mich: Er, der reglose Tierhändler, hat so viel Mitgefühl.

Dann laufe ich zum passenden Steilufer. Als ich die Enten und Gänse aus ihren Tüten ziehe, steht ein großer behinderter Junge aus der Armensiedlung neben mir (diese Hütten klemmen zwischen Ufer und Häusern, auf einem Sandstreifen). Er versteht: „Fliegen lassen!“ Und ist so begeistert.
Plötzlich hab ich zehn Neugierige um mich, die Hälfte Kinder. Alle arm, alle kein Englisch, alle strahlen, als sie sehen, wie begeistert die Enten baden und die Gänse froh dahinschwimmen.

Eine Mutter lädt mich zum Tee in ihre Hütte ein. Sie sagt immer wieder: „ Pani!“ = Wasser. Ich denke, wegen des Tees. Aber da kommt ein großer Junge mit etwas Englisch: Sie meint das Monsun-Hochwasser vor zehn Tagen. Es ging bis zur Hüttendecke. „Und die Regierung gibt kein Geld.“ Ich gebe 1000 Rupi und nochmal 1000 = 14 Euro. Auch nicht viel, aber in Kathmandu doch. ‎

Derweil öffnet die Mutter eine kleine Blechkiste vor ihrer Matratze, auf der ich sitze: Drin ist ein weißer Hase, ganz zart.
In dem Moment bringt der Opa eine Ente kopfüber rein. Ich denke: „Das ist meine. Jetzt sind sie in den Fluss gestiegen und haben sie rausgefangen.“ Ich befühle die Ente: Sie ist nass. Ich frage dreimal nach. Und betone: „Fliegen lassen!“ – Aber die Mutter wiegelt ab, der Besitzer der Ente wohnt woanders. Ich bin zu unklar im Kopf, um meine Ente einfach zu schnappen und rauszugehen.

Später träume ich von dem kleinen Opa mit seinem runzeligen Gesicht. Er entschuldigt seinen Diebstahl: Er ist ein Jäger, und drum kann er die Enten nicht schwimmen lassen.

Die Gänse haben wahrscheinlich überlebt, weil sie ein so gutes inneres Warnsystem haben.

Wie ein Lohn für meine halbe Tierrettung finde ich am Abend interessante Straßen und Dinge. Es ist nämlich Drachensteig-Zeit. Die immer so fröhlichen Kinder klettern auf Schuttberge und probieren es. Oder sie stehen auf der höchsten Tempelstufe.
Derweil bieten unten an der Tempelkante die Frauen vom Land ihr Gemüse an. Eine Mutter hat ihren Sohn dabei, zwei Jahre alt. Er sitzt gebeugt über einem Handy, das am Boden liegt, zwischen Petersilie und Karotten. Drauf läuft ein Comic.

Samjhana, die Hotelfrau, sagt am Abend, dass diese Armenhütten am Fluss reichen Leuten gehören, die sie vermieten. Und sie denkt, dass nicht alle Bewohner so arm sind wie es aussieht.

4. Max und Madan
Heute will ich neue Bäche erkunden, für eine sichere Enten-Rettung. Aber dann ruft Sunita aus Pegnitz an (sie und ihr Mann Saurav kommen aus Nepal), ich soll meine Busfahrten nach Pokhara und Lumbini, wo wir vor allem arme Mütter unterstützen, umstellen. Eine andere Route hat weniger Verkehr. Deshalb gehe ich zurück, um es Hotelier Madan zu sagen. Er managed alle Busse für mich. Da kommt ein Drama. Denn ein Sohn der Hotelfamilie, Prashaman (14), ist geistig etwas behindert. Er läuft auch hinkend und schwer. Er tritt aus Versehen rückwärts auf Max. Es kommt so viel Blut raus.

Jan aus Belgien hatte den kleinen Max extra für den Jungen gekauft, weil er mit seiner eigenen behinderten Tochter sah, wie glücklich sie mit einem Golden Retriever war. Jetzt hebt Jan den kleinen Max in einem Tuch hoch. Er ist wie tot. Madan nimmt sein Motorrad und beide fahren zur Tierklinik. Nach 1,5 Stunden kommen sie wieder: Keiner weiß, ob der Mund oder die Nase getroffen sind oder etwas Inneres. Nach einer Stunde müssen sie wieder hin. Abends schicken die Ärzte Bilder von Max in einem kleinen Käfig. Er soll mindestens drei Tage bleiben.

Jeder hatte ihn so gern, weil er so viel Liebe gab. Er lehnte sich immer an den Fuß von Madan und schlief da ein.

Später stirbt er in der Klinik. Die Ärzte bedauern, dass sie keine Durchleuchtungsgeräte haben wie in Europa. Madan und seine Frau Samjhana trauen sich nicht, es den beiden Kindern zu sagen. Bis zum Tihar-Fest anfang November sagen sie immer: „Max ist noch in der Klinik.“ Das Tihar-Lichterfest ehrt auch Tiere, zum Beispiel die Krähe, die Kuh und den Hund. Am Tag des Hundes wollen sie einen neuen Max kaufen.

Für Madan ist der Tod von Max schlimm, sagt er, weil er ihn an den Tod seiner Mutter erinnert. Sie starb an Durchfall, als er ein halbes Jahr alt war. In seinem Dorf gab es keinen Arzt. Sein Vater war beim Militär. Nach altem Heilwissen verweigerten die Nachbarn seiner Mutter das Trinken. Sie verdurstete.

Madan wuchs dann bei Verwandten auf. Sein Dorf liegt in Richtung Pokhara. Dort baute man damals nur Zuckerrohr an. Sein Vater brachte aber ab und zu das gute Gemüse von den Feldern in Kathmandu, vor allem Weißkohl. Der duftete dann durchs ganze Dorf.

Mit 15 Jahren wechselte Madan nach Kathmandu ins College, gleich neben Thamel, dem Touristenviertel. Hinter seiner Schule war eine weite Wiese. Darin heulten Füchse und Frösche quakten. Heute ist alles bebaut.

Wo die Busabfahrtsstelle nach Pokhara ist, war auch Wiese, mit einem einzigen Feldweg. – Nach Bhaktapur (26 km östlich) pendelte ein Elektrobus über die Reisfelder. Thamel hatte nur ein paar Häuser.
„Und jetzt? Überall Häuser. Nepal verliert seine Schönheit. Alles wird zugebaut.“

Madan startete mit seinem Cousin ein kleines Hotel. Zweimal zogen sie um. 1991 meldete er das jetzige Guesthouse an – mit Bankhilfe gekauft. Wenn wieder ein Erdbeben käme ohne Touristen, oder wieder eine Pandemie ohne Gäste, sagt er, dann ist es aus. Er kommt grad so über die Runden.

Seine Frau Samjhana, 45, wuchs im Tiefland zu Indien auf, in der großen Verwaltungsstadt Bharatpur. Mit 18 Jahren kam sie nach Kathmandu. Seitdem war sie viel zu selten daheim – in den letzten Jahren überhaupt nicht.

Sie lacht immer und sagt: „Madan sieht alles negativ, ich positiv. Ich vertraue unseren Göttern. Es wird schon weitergehen.“ Für mich ist sie wie eine Schwester, weil wir so ähnlich denken.

Samjhana bekam jetzt ein neues Zimmer ganz oben auf dem Dach, wo sie mit den Jungs Prashaman und Pratyus (18) schläft. Endlich sind die Zeiten unten im dunklen Hausgang vorbei. Aber Madan hält es dort noch aus. Bereit für unerwartete Gäste, bereit für 4-Uhr-Aufstehen, wenn ein Gast früh zum Jeep muss.

Samjhana´s Problem ist im Augenblick, eine gute Zimmerfrau fürs Hotel zu finden. Die erste war 25 Jahre da und sah die beiden Jungs aufwachsen. Sie besucht sie bis heute. Die nächste Frau putzte nicht eigenständig und fehlte oft. „Es ist so schwer, jemanden zu finden. Jeder will möglichst wenig arbeiten und viel verdienen.“

Jetzt kam ein junger Mann, Kisan Shrestha, 21. Er stammt aus einer Hotelfamilie und macht alles perfekt. Aber er bleibt nur, um eine Wartezeit nach Korea zu überbrücken. Den Sprachtest bestand er schon, in einem halben Jahr geht es los. Er soll beim Bau von Schiffen helfen. „Die ersten drei Jahre darf ich nicht heim, aber dann hab ich Urlaub.“

5. Whiskey und Bali

Das „Souvenir Guesthouse“ hat viele Gäste aus Frankreich, Holland und Belgien, die schon seit Jahrzehnten kommen und wie Eltern zu den beiden Jungs sind. Sie spielen oft mit dem behinderten Prashaman, den sein Vater Madan „unseren Sonnenschein“ nennt. Er ist es auch. Er hat ein so offenes, schönes Gesicht.

Ein Gast ist z. B. Dominique aus den Niederlanden, 82, der ganz wackelig geht – aber statt in einem Altersheim unterzugehen, fliegt er nach Kathmandu. Dort dreht sich zwar keine junge Frau mehr nach ihm um, sagt er, aber das ist ihm egal.
Oder Jan, Ex-Hippie und Motorradfreak, der Ehemann von Colette. Er sammelt Whiskey und hofft auf eine große Wertsteigerung seiner Bottles.
Oder Remi aus der Nähe von Paris, 67, immer lustig aufbrausend wie ein Süditaliener. Er wohnt nicht weit von Guyancourt, der Pegnitzer Partnerstadt bei Versailles. Ihm machte die Corona-Sperre so zu schaffen, dass er danach ganz Frankreich abfuhr, 45 000 Kilometer. Hier in Kathmandu pachtet er das Motorrad von Madan und stürzt sich in die Staus.
Vier Wochen im Jahr lebt er hier und acht Wochen in Bali. D. h. in Bali-Nord mit Familienanschluss. Er braucht das, weil er daheim so allein ist.

Ins „Souvenir Guesthouse“ kommt auch immer Hiltjen aus Amsterdam. Sie ist eine Heilerin, schon in Rente, und bietet Tausend Arten von Therapien. Einmal traf sie in Sibirien einen Schamanen. Kaum saß sie mit ihm zusammen, konnte sie eine ihr unbekannte Sprache fließend sprechen. Später anderswo auch Sanskrit. Nobody nows how.

6. Tempel-Ekstase

Sunita schreibt, dass ich einen bestimmten Tempel besuchen soll. Es ist ja Dashain-Fest, 15 Tage lang, und die Göttin Durga mit ihren bis zu 18 Armen schaffte es einst am 10. Tag (dashain = die Zehn) einen büffelartigen Dämon zu besiegen. Obwohl sehr mütterlich, hat sie große Kriegspower, um das Böse runterzubuttern.

In diesem Tempel ist viel los, sehr interessant. Zwar ist der Hauptteil in Reparatur, aber daneben, etwas tiefergelegt, steht ein alter Durga-Altar. Hier legt man Blüten und Kokosnüsse ab und küsst den Boden. Die Leute stehen Schlange, barfuß.
Ein Mädchen gerät in Ekstase. Sie schüttelt sich am ganzen Körper, was man willentlich kaum schafft. Die Frauen neben ihr lassen es laufen. Dann bekommt sie eine Kerze und eine Kokosnuss in die Hand. Es wird besser.

Außen am Zaun hocken kluge Frauen, die sich nicht anstellen wollen. Sie reichen ihre Opfergaben mit ein bisschen Geld durch. Eine arme Frau spricht drei Meter weiter flüsternd den Priester an, damit er ihr die gebrauchten Kokosnüsse rauswirft.

Vor dem Tempel liegen viele Bettler am Boden, geübt, ohne Bein. Ein kleiner armer Mann läuft als Affengott verkleidet herum. Am Eingang wartet hoch gestapelt Farbenpracht – Blumen und Glitzer in Rot und Gold. Die Opfergaben.

Neben dem Tempel lockt ein Open-Air-Markt unter Plastikplanen, innen einen Kilometer lang. Stände dicht an dicht. Der Lehmboden liegt voller Verpackungsplastik. Jeder rutscht drauf aus. Alles brodelt unter dem kalten LED-Licht. Aber es macht keinem was aus.

Die Standbetreiber sind so kluge Leute – gefesselt an ihren Stand, fast bewegungslos, den ganzen Tag über.

7. Buch vom Everest

Ich schau noch bei dem so klugen und bescheidenen Secondhand-Buchhändler neben meinem Hotel vorbei. Er erzählt, dass er aus einem Dorf neben Pokhara kommt und seit 35 Jahren in Kathmandu ist. Seit 20 Jahren hat er diesen Raum, 3 x 3 m, ein paar Stufen über der Straße. Dicht voll mit Büchern. Er kann nur schwer davon leben, obwohl gegenüber zwei neue Hotels gebaut wurden, mit Luxusgästen bestückt. Aber diesen Leuten wiegen die Bücher zu viel in der Tasche. Und sie schauen lieber ins Handy, sagt er.

Er muss 35 000 Rupi Miete (246 Euro) bezahlen und 10 000 Rupi (70 Euro) für sein Zimmer drei Strassen weiter. Das ist extrem viel, bei dem geringen Verkauf.

Ich nehme zwei Bücher für 6,80 Euro. Das hilft aber auch nicht groß weiter.

Eines der Bücher ist so gut. Ein David Robertson sammelte alle schriftlichen Zeugnisse über George Mallory (1886 – 1924), jenen jungen englischen Bergsteiger, der es fast bis zum Gipfel des Everest schaffte. Seine Briefe, die Briefe von Freunden, alle Reports aus den Alpinzeitschriften.

Mallory stieg schon als Kind über Dächer. Er sah so gut aus, dass jemand wähnte, einen griechischen Gott eintreten zu sehen, als er ihn das erste Mal sah. Er kletterte wie eine Katze. Er überlebte den Einsatz im Ersten Weltkrieg (viele Bergfreunde wurden erschossen). Er heiratete, hoch verliebt. Er brach zweimal mit zum Everest auf. Vor dem dritten Mal sagte er, 38 Jahre alt: „Das ist kein Bergsteigen da oben, das ist Krieg. Ich werde nicht zurückkommen.“ Mit Andrew Irvine, einem jungen Bergsteiger und Genie im Technischen (er verbesserte noch vor Ort auf der tibetischen Seite die gerade erfundenen Sauerstoffflaschen) stieg er schließlich in die letzte Etappe. Unten sahen sie im Fernglas zwei schwarze Punkte in den aufziehenden Wolken verschwinden, hoch oben.

Das war im Juni vor 100 Jahren.

Mallory hinterließ drei kleine Kinder und eine Frau, die depressiv schon mit dem Ende der Ehe gedroht hatte, weil er nie daheim war: 1/2 Jahr Everest, 1/2 Jahr Vorträge bis in die USA, 1/2 Jahr Everest, 1/2 Jahr Vorträge, 1/2 Jahr Everest.

Mein Buchhändler hat das Gesicht von George Mallory, seine guten Augen. Vielleicht wiedergeboren.

8. Mahesh und die Rollertour

Ich laufe mal los, um einen Bach aufzutreiben, der entenfähig ist. Entensicher. Laut Stadtplan gibt es ihn weit im Südwesten. Ich komme an zwei nagelneuen Konditoreien und einem Supermarkt vorbei, mitten in der Einfachheit der alten Viertel. Ich sehe gleich, warum: Weil gegenüber ein nagelneues Hochhaus steht, sehr schön im Mallorca-Stil. Reiche Leute drin. Aber dann taugt der Bach nix. Denn wo meine Karte grüne Wiese zeigt, ist alles bebaut.

Ich komme auf eine große Ringstraße. Am Boden liegt eine Spielkarte Pik Sieben. Ich denke: Das bringt Glück. Und tatsächlich – grad als ich ein bisschen rumfotografiere, hält ein Student mit seinem roten Motorroller, ob er mich wo hinfahren kann.

Es ist Mahesh (sprich Mohesh), ganz schmal und fein. Er studiert Wirtschaft und englische Literatur. Damit kann er später Lehrer werden oder in eine Bank gehen. Er kommt aus der gleichen Stadt wie Saurav, im Tiefland zu Indien. Und fährt heute Nacht mit dem Bus dorthin, wegen des Dashain-Fests. Da kehren alle Nepalesen in ihre Heimatstädte zurück, um von den Eltern das rote Tika-Zeichen auf die Stirn zu bekommen.

Mahesh versteht sofort die Entennot. Ob ich Vogelkundler bin? Er bringt mich zu einem Bach, so sauber, in einem ungeahnten Idyll am Stadtrand. Eine wilde Schlucht liegt dahinter. Jetzt entwickelt er wahre Guide-Fähigkeiten: „Da klettern wir jetzt steil rauf, das ist Abenteuer. Ist doch gut für dich, ein bisschen Abenteuer?“ Runter müssen wir das hinterher auch. Es ist der vom Monsun runtergespülte Hang, wo mal eine Treppe war. Alles durcheinander. Ich packe meine alpinen Fähigkeiten zusammen = Hosenbodentechnik.

Weit oben ragt eine fotogene Hängebrücke in die Luft. Mahesh: „Bist du sowas schon mal gegangen?“ Nicht dass mir schlecht wird drauf, vor lauter Schwanken. Die Schlucht, beschließen wir dann von oben, ist nachts voller wilder Tiere und also nichts für Enten

Danach machen wir einen Ausflug: Durch die Universität, eine Art Gartenstadt. Zu den Tempeln von Kirlitpur. Zu einem Drachensteig-Platz mit viel märchenhaftem Umland. Zu einem abgelegenen Tempel am Fluss. Total enten-geeignet.

Dort hebt Mahesh den Arm, mit einer weiten Bewegung, und sagt: „Das hättest du nicht gedacht, dass du heute so viel siehst?“ Im halben Dunkel rollen wir zurück und im größten Dunkel bringt es Mahesh wunderbarerweise fertig, ohne jede Handbewegung einen Kleinbus zu stoppen, der mich zurück ins Zentrum bringt. Nur 20 Cent, obwohl eine lange Fahrt. Wo ich all meine Ortskenntnis aufs höchste schärfe, um mitzubekommen, wann ich raus muss.

9. Disney am See

Heute der Bus nach Pokhara ist das Tollste, was ich je an Bus gesehen hab. Sessel aus der Business-Class der Flugzeuge drin. Mords viel Platz. Und die 200 km nach Westen sind teils schon vierspurig. Prompt bin ich sehr früh da, um 15 Uhr. Aber dazwischen liegt viel Erdrutsch vom Monsun auf dem neuen Teer. Strommasten stehen schief. Einer ist abgestürzt

Ich nehme vom Busbahnhof ein Taxi in die Stadt. Der Fahrer sagt: „Ich kann grad so leben. Es reicht genau für Wohnen und Essen, nicht mehr. Ich komm so hin. Es ist ein mittelguter Job. Wenn es so bleibt, ist es gut.“

Mein kleines „Tibetan Guesthouse Hotel“ ist so schön mit seinem Palmengarten im Hof. Ich laufe dann am Ufer des Fewa-Sees entlang, wo Remi letzte Woche auch war und schockiert sagte: „Nie wieder Pokhara.“ Denn er erlebte den See vor 20 Jahren, als es noch keine Hotelflut gab und keinen Disneypark.

Am Ufer-Ende rumpele ich in eine Zeremonie – so schön. Direkt am Wasser, gedacht für die Göttin des Sees. Ich gratuliere mir für mein Glück, höre aber später: Dieser Dienst mit Musik ist an jedem Abend. Und seit neuestem auch in Kathmandu beim Verbrennungstempel. Für die Touristen.

Drei Jungs, alles Ehrenamtliche, stehen in super schöner historischer Kleidung da. Mit eleganten Bewegungen werfen sie erst Blüten in den See, dann blasen sie in Muscheln und dann schwenken sie Feuer und Rauch.

Am Ende darf jeder tanzen und es gibt rote Tikas auf die Stirn. Sunita´s Eltern sagen am nächsten Tag, dass die Nepalesen nur wegen des Tika-Segens hingehen.

10. Dashain und Nishchal

Mit dem Stadtbus fahre ich zu Sunita´s Eltern – kostenlos, weil Dashain… In der Gasse vor ihrem Haus rufen zwei Jungs von einem fernen Balkon: „Touris!!“ und flitzten voll speed durch die Flure runter zu mir. Einer hat so kluge, scharfe Augen trotz seiner neun Jahre – bestimmt im vorigen Leben ein buddhistischer Mönch gewesen.

Bei den Eltern ist es sehr schön, einmal wegen des vier Wochen alten Babys Aarav (es bedeutet Shiva) von Rabina (sprich: Rowina), der so guten Frau von Suman. Er ist der Bruder von Sunita. Dann wegen der Vorbereitungen für das große Fest. Alles muss picobello sauber sein und ist ein paar Stunden später genau das Gegenteil.
Auch Sunita´s Schwester Sushma kommt mit ihrem Mann. Sie erwarten ihr erstes Kind Ende Oktober.
Alle Damen tragen besonders schöne Kleider. Und jeder bekommt sein Tika auf die Stirn und etwas Geld. Ich will meins an Arme weitergeben.

Am Abend gehe ich noch einmal zum See, zur Zeremonie. Ich tanze am Ende mutig mit, als dafür aufgefordert wird, was gleich fünf Touristen von den Stühlen ins Tanzgewühl wirft. Ich hab dann vier nepalesische Jungs um mich, die es so freut, dass ich mitmache.

Am Rückweg entlang des Seeufers komme ich im Dunkeln wieder an einem schmalen, bescheidenen Mann vorbei, der am Wiesenrand Karaoke singt: Hinter einem Verstärker und mit Mikrophon. Ich hab ihm schon vorher etwas Dashain-Geld von Sunita´s Vater gegeben und jetzt wieder. Dann stelle ich mich 20 Meter abseits zum Zuhören.

Später sagt er, er hat mich da stehen gespürt. Weil er blind ist. Ich hab das im Dunkeln nicht gesehen. Und das kleine Mädchen neben ihm sagt zu ihm: „Sing ein englisches Lied, weil es ein Tourist ist, der da steht.“ Aber er antwortet: „Touristen hören lieber nepalesische Lieder.“

Ein bisschen weiter bestelle ich jetzt gerösteten Mais bei einem Mann, gleich hinter einer Karaoke-Sängerin. Sie sitzt für sich und singt im hellen Ton chinesischer Mädchen, der für Nepals Sängerinnen typisch ist.
Dann kommt der blinde Sänger mit dem kleinen, immer strahlenden Mädchen heran. Und hebt erst einmal einen Betrunkenen auf, der neben der Sängerin am Boden liegt.
Das Mädchen blickt bittend zu mir, ob ich helfe. Aber der Sänger schafft es. Dann zieht ihn das Mädchen zu mir und sagt ihm auf Nepali, dass ich der Tourist von vorhin bin.

Sie ist seine Nichte, und am Boden gekauert singt seine Schwester. Sie ist auch blind.

Der junge Mann setzt sich hin, um noch einmal für mich zu singen. Er hat so gute, feine Hände. Man müsste einen Film drehen nur über seine Hände. Seine Schwester hat auch die guten Bewegungen der Hände. Sie wechselt die Mikro-Batterien mit so viel Gefühl. Sie tastet die Geldscheine ab, die ihr die Leute viel zu wenig geben, und erkennt sofort den Geldwert. Sie sortiert alle richtig.

Ihr Bruder hat so ein freundlichen Gesicht. Aus diesem Gesicht strömt innere Größe. Ich duck´ mich fast, weil ich mich minder fühle davor. Er fragt mich: „Warum bin ich blind?“ Und sagt: „Gott machte es.“ – Ich sage: „Gott? – Gott ist weit weg, wenn überhaupt.“

Ich erzähle ihm von einer alten taubstummen Frau in Pegnitz, die mir einmal gesagt hat: „Schlimmer als blind zu sein ist es, nichts zu hören.“ Das gibt ihm minimal Trost. „Das hab ich noch nicht gehört.“

Es stellt sich ein älterer Mann dazu, im Dunkeln, einheimisch, vielleicht ein Lehrer. Er sagt zu mir: „Stellen Sie sich mal vor, Sie sehen Ihr ganzes Leben nichts. Geben Sie ihnen was, das sind ehrliche Leute.“

Ich denke beim Heimweg: Nie mehr jammern oder leer fühlen. Froh sein um mein „Alles-tun-können“.

Am nächsten Abend treffe ich wieder diesen blinden jungen Mann Nishchal, 29, und seine Nichte Junu, 12. Sie ist immer bei ihm, damit keiner das Geld aus ihrem Spendenteller nimmt. Nishchal´s blinde Schwester heißt Sami. Sie hat zwei Kinder und wohnt in der Nähe.

Nishchal stammt aus einem Dorf 18 Busstunden westlich. Er musste wegen Geldmangels vier Jahre Schule ausfallen lassen. Jetzt singt er jeden Abend, auch bei Regen, und kann so die Aufnahmegebühr, die Monats- und die Jahresgebühr für sein College bezahlen.

Seine Eltern brachten ihn mit acht Jahren zu einem Augenarzt. Danach konnte er sehen. Aber als er elf Jahre alt war, ohrfeigte ihn ein Lehrer. Er war wieder blind. „Aber ich hab die Welt einmal gesehen.“

Bis zur 10. Klasse half ihm ein Schulbuch in Blindenschrift. Nishchal lernte so in der sehenden Klasse. Danach kam er nur durch Zuhören und Audiogeräte weiter.

Jetzt steht er kurz vor dem Examen als Lehrer. Danach kann er sehende Kinder unterrichten.
Sein gutes Englisch kommt daher, dass er alle vier Wochen mit einem amerikanischen Tourist telefoniert, der einmal hier war. Ich nehme mir vor, ihn genauso oft anzurufen.

Vielleicht gibt es einen Augenarzt bei uns, der ihn einmal untersucht. Vielleicht kann man Nishchal noch einmal operieren.